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 Die Villa Bleak

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Diva

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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 8:53 am

Ich glaube niemand in dieser Situation, der auch nur annähernd wie ich tickte, hätte nicht angefangen zu Grinsen, als Angie sich so verschluckte. Natürlich war es nicht wirklich angenehm, besonders wenn kohlensäurehaltige Getränke oder Alkohol im Spiel waren, aber unter den Umständen musste ich einfach. Sie lebte auf der Straße, wie ich es irgendwie heraushörte, da musste man doch mit solchen Sprüchen seinen Tag verbringen. Aber ich warf dennoch ein vorsichtiges "Sorry, ich scherze zu gern über Tabuthemen. Ich werde versuchen, es etwas zurückzuschrauben." ein.

Aber es war schon komisch, dass sie sonst sehr offen war, selbst über das, was die meisten Mädchen oder Frauen zu erzählen vermieden. Aber gut, was wusste ich, wie sie aufgewachsen war oder was sie alles gesehen hatte. Ich sollte mir wirklich nicht so viele Gedanken darüber machen aber irgendwie war ich verdammt neugierig. Shame on me.
Ich hörte also nickend zu, zog die Beine langsam zum Körper und legte die Arme um die Knie und trank noch einen Schluck, der mir dann nach kurzer Zeit promt fast in der Luftröhre landete. Gerade noch so gerettet runtergeschluckt hustete ich kurz nach. "Schokolade also...ja.", keuchte ich ein wenig stimmlos und räusperte mich.
Ich stellte mein Glas beiseite und stand gemütlich auf.

"Schokolade...Zigarette...Obst. Irgendwie eine bizarre Mischung Ich schreibs eben auf, gleich wieder da." Damit verschwand ich in der Küche und machte die Einkaufsliste fertig, die neben Angies Wünschen noch Cola, Bier, Pizza, aufbackbare Brötchen, diversen Aufschnitt und Tiramisu enthielt. Vorerst. Da fielen mir noch das Schampoo und die Haarspülung ein und ich schrieb es dazu mit dem kleinen Vermerk auf lange Haare und legte den Zettel auf den mittleren Thresen.

Wieder im Wohnzimmer, setzte ich mich kurz hin und dachte über Angies willkommenheisende Frage nach. "Schwierig zu sagen... Im Prinzip ist sie unheimlich cool, wenn man mit ihrem Typ Mensch auskommt. Ihre Nettheit verbringt sie hinter Mahnungen, die eigentlich nur gut gemeint sind. Sie meckert auch gern mal, aber nicht laut sondern vorwurfsvoll. Trotzdem würde ich sie als ziemlich gutherzigen Mensch beschreiben. Und wahrscheinlich in diesem Haushalt seit Jahren der einzige, der sich 'nen Dreck um mich schert. Natürlich heißt sie auch nicht alles gut wie all der Alkohol und die Zigaretten aber sie kauft es trotzdem. Und ihr Enkel ist 100% schwul, deswegen akzeptiert sie es bei mir. Im Gegensatz zu meinem Vater." Ich lächelte etwas müde und sprang wieder auf, öffnete unter dem Fernseher eine Schublade und kramte einen Stapel Videospiele heraus. "Nuja, also wir hätten eine Playstation 3 und ne Wii, die ich bisher irgendwie nie benutzt hab, da ich diese Armrudereien irgendwie, bis auf in volltrunkenem Zustand, immer sehr albern finde. Aber gut, eigentlich gehört das Ding meiner Mutter, die darauf ihre Bau-Beine-Po-Gymnastiken macht."

Ich stapelte die Spiele vor ihr in den drei Stapeln zu den Konsolen auf. Für die Playse gab es größtenteils dumme Ballerspiele oder Tomb Raider Verschnitte, Autorennspiele und irgendwas von Star Wars. Für die Wii größtenteils Mini-Spiele zum Armfuchteln und Gymnastik. Ganz oben fand ich noch ein Spiel wo man Choreografien nachtanzen musste, was doch zumindest im Ansatz spannend klang. Zumindest für in drei bis vier Stunden, wenn ich nicht mehr geradeaus gehen konnte
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Angie

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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 8:53 am

Gespannt lauschte ich seiner Erzählung bezüglich der Hausdame. So wie ich das verstand war sie sehr nett, wenn auch in gewisser Weise streng... Eigentlich so wie ich mir damals meine Mutter gewünscht hatte. Natürlich warf ich solch naive Gedanken sofort beiseite. Mittlerweile war ich alt genug, musste nicht mehr nach einem Vorbild- oder Mutterersatz Ausschau halten. Zudem... Enkel? Die Dame schien einiges an Jahren auf dem Buckel zu haben. Desto mehr wunderte es mich, dass sie so tolerant gegenüber allem war. Waren es nicht meist die Alten, die keiften, dass die Jugend von heute nur noch Abschaum war? Nun war ich noch gespannter auf die Haushälterin.

"Sie klingt echt in Ordnung. Ich werd mich darum bemühen, sie nicht zu vergraulen." Vorausgesetzt sie war auch so zu mir wie zu ihm. Anderweitig würden wohl bei jeder noch so kleinen Konfrontation die Fetzen fliegen und dann würde ich wieder flüchten. Auf der Straße konnte ich schließlich überleben, nur das mit der Polizei war noch so eine Geschichte. Sicher würden sie mich jetzt erst Recht suchen... Ich mein zuvor war ich nur ein Straßenkind, dass die Schule schwänzte und eigentlich unter der Fuchtel der Mutter stehen sollte. Doch jetzt war ich ein Straßenkind, dass nebenbei die Verlobte für ein reiches Söhnchen spielen sollte. Da sah man die Priorität definitiv anders....

Nebenbei hatte ich beobachtet, dass er zum Fernseher gelaufen war und nun ziemlich viele Spiele aus einem Schrank hervorkramte. Sagte ja, reiches Söhnchen.... Innerlich unterdrückte ich ein leises Schnaufen, nahm noch einen Schluck und ließ mich dann vom Sofa gleiten. Ich lief zu den Stapeln, ging in die Hocke und besah mir die einzelnen Verpackungen. Vieles sagte mir gar nichts, was mich natürlich nicht verwunderte. Wenn man seine Jugend an der N64 und der PS 1 auslebte, war man nie auf dem neusten Stand. Aber damals war es überhaupt n Highlight sowas zocken zu können. Mit einem leicht enttäuschten Gesicht legte ich das eine Spiel wieder auf den Stapel und sah dann zu Casimir.

"Die Spiele sagen mir leider gar nichts... Gibts irgendwas, was man zu zweit spielen kann und ganz gut Laune macht. Oh und vergiss nicht den Alkoholpegel mit einzubeziehen... Schwer sollte es also auch nicht sein. Zumindest so, dass wir das Spiel noch hinkriegen ohne irgendwas zu töten." Ich beugte mich etwas vor und wisperte dann leise. "Angeblich neige ich zu leichten Aggressionen, wenn ich was getrunken habe und an Spielen scheitere. Zumindest haben das die anderen immer gesagt... Aber ich glaube das nicht. In Wirklichkeit können sie dann bloß nicht mehr gewinnen." Damit lehnte ich mich wieder zurück und kicherte leicht. Ab es denn nun stimmte oder nicht könnte er mir sicher bald verraten, denn ich selbst war meistens irgendwann beim zocken eingepennt und konnte mich an nichts erinnern. Aber niemand soll behaupten, dass ich ihn nicht vorgewarnt hätte!

"Wundere dich aber nicht, wenn ich nicht sonderlich gut bin. Hab glaub ich vor 2 Jahren das letzte Mal einen Kontroller in der Hand gehabt und deshalb muss ich mich erst wieder einspielen." Fügte ich noch hinzu, bevor ich mich auf dem Boden plumpsen ließen. Ich wusste zwar nicht was er vorhatte, aber in dieser Hocke-Position zu bleiben war auf Dauer nichts Angenehmes. Ich nahm den letzten Schluck von meinem Gebräu, ja, jetzt war ich bereit für eine halbe Stunde chaotische Aktion an der Konsole. Sicher wird es eine Katastrophe...
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 8:55 am

Leicht grinste ich und erwiderte ein: "Keine Sorge, sie hat mich die ganzen Jahre ertragen. Ich wär überrascht, wenn du mich an Vergraulungsfaktor übertreffen würdest." auf ihre versprochene Bemühung hin. Da das Ganze aber ziemlich nach Macho und selbstverliebtem Rebell klang, legte ich noch ein "Aber man weiß ja nie... ich bin gespannt!" nach. Unterschätzen wollte ich die Dame natürlich nicht... vielleicht ein wenig herausfordern... wäre doch amüsant, einen kleinen "Wer bringt meine Familie eher zur Weißglut" Kontest zu veranstalten.

Ich glaubte, mein Interesse daran, die Spiele von allen Seiten zu mustern, war ungefähr so groß, wie das von Angie, denn wir hatten gemein, dass auch ich einen Großteil der Spiele nicht kannte. Sie wurden mir von Freunden geliehen, hier bei Spieleabenden vergessen oder ich hatte sie mir in einem Anflug von Geldverschwenderei gekauft. Dementsprechend fiel auch mein etwas überforderter Blick aus, als sie nach Empfehlung fragte. Kurz überflog ich die Rücken der Plastikverpackungen und hoffte, einen Titel zu finden, der mir bekannt vorkam.

"Naja... wir könnten immer versuchen, irgendwelche als Menschen getarnten Pixel zu erschießen. Neben diesen ganzen hyperrealistischen Kriegsspielen sind auch ein paar ultrabunte Shooter dabei und eins im Coop. Da kannst du dem anderen dann 'ne Spritze in den Arm donnern, während du einen impertinenten Kommentar von dir gibst und ihn so wiederbelebst." Ich kratzte mir kurz ein wenig am Kopf und zog dann endlich ein Spiel aus dem PS3-Stapel, der mir was sagte.

"Oh hier, das'n Autorennspiel... oder so ähnlich. Du spielst einen Cartooncharakter in einem bizarren Auto, das du einfärben und mit Fähnchen versehen kannst und dann kann man verschiedene Modi spielen. Ich hab am liebsten Dinosaurieralienviecher überfahren. Eigentlich soll man sie abknallen aber in sie reinrasen macht mehr Spaß. Die Lenkung ist auch so für'n Eimer, dass du garantiert 720 Grad-Drehungen im Flug machst. Ist auch über PS3-Netzwerk mit Fremden aus aller Welt spielbar. Sogar mit irgendwelchen Kommunkationfähigkeiten... wir können also unter Alkoholeinfluss Dinos überfahren, versagen und dann Chinesen beleidigen."

Eigentlich klang das für mich ganz überzeigend. Nicht zu schweres Gameplay, schließlich musste man das Auto nur lenken, Gas geben und schießen. Die Steuerung war, da das Spiel eigentlich für Kinder war, sehr intuitiv und somit auch unter Alkoholeinfluss noch spielbar.

"Und wenn wir uns dann bereit fühlen, können wir nach der Flasche Rum gern auf der Wii dumme Choreografiespiele spielen und uns aufs Maul packen, während wir unsere Gliedmaßen verrenken." Mit einem ultraunangemessenem Grinsen hörte ich ihr Flüstern. "Keine Sorge, Aggressionen sind in diesem Haushalt an der Tagesordnung, lass alles raus."
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 8:55 am

"Ich ähm... okay?" Natürlich kannte ich ein paar Shooterspiele. Es hatte sich aber immer relativ schnell gezeigt, dass ich das einfach nicht spielen konnte. Wenn es hart auf hart kam, schoss ich lieber die Wand ab als den Feind. Die Jungs begannen dann zu kreischen wie Mädchen: 'Los du musst den Typen da abknallen! Nein nicht den, erst den anderen, der hat die bessere Waffe, dass sieht doch jeder Blinde!'. Irgenwann ging es soweit, dass ich jemanden den Kontroller an den Kopf geworfen hatte und diesem Genre den Rücken kehrte.  Ich hatte seither   nur zugesehen und andere mit sinnlosen Kommentare genervt.

"Nunja, ich muss gestehen, dass Shooter nie so meine Welt waren... Ich schaff das mit dem Zielen nicht. Aber übergroße Dinos plattfahren, das dürfte ich hinbekommen. Also äh, dad glaube ich zumindest." Letzteres murmelte ich eher mir selbst zu, nahm dann noch einen Schluck Alkohol um mir Selbstbewusstsein anzutrinken. "Oh und andere beleidigen und nerven schaff ich auch!" Kicherte ich dann und besah mir die Spieleverpackung. Sie zeigte einen futuristischen.... Was war das bitte? Ein Elf? Ich beschloss einfach ohne Vorurteile an die Sache ranzugehen, ansonsten wäre der ganze Spaß schon jetzt vorbei.

"Tanzen ist nicht schlecht... Als Kind wollte ich unbedingt Balleriena werden, dann Prinzessin und am Ende Model. Wohl typisch für Mädchen meines Alters. Oh nein! Ich schweife ab... Tut mir leid." Ich spürte nahezu, wie ich rot anlief. Er zählte mögliche Tätigkeiten für heute auf und ich belästige ihn sofort mit meinen albernen Kindheitsträumen die keinen interessiert. Der Alkohol lockerte meine Zunge zu schnell.

"Überrollen wir Dinosaurier, solange ich noch Aufnahmefähig bin." Verkündete ich schließlich um von dieser doch sehr peinlichen Situation abzulenken. Ich öffnete die Verpackung, nahm die CD heraus und fütterte damit die Spielekonsole. In der stummen Hoffnung, dass der Fernseher gleich reagieren würde, blieb ich davor sitzen aber es geschah natürlich nichts. "Tu etwas du blödes Ding. Kostest n Haufen Asche und schnallst nichtmal, dass grad ne Konsole angeschaltet wurde." Murrte ich den Fernseher an. "Er will nicht!" Ich deutete auf den TV und sah Casi an. Sicher kannte er sich mit dem Ding besser aus als ich und würde ihn zum laufen kriegen.
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 8:55 am

Lässig winkte ich ab. "Nich die Welt. Wer jeden Pixel trifft und Headshots en masse sammelt, soll meinetwegen zur Armee gehen, da kann man sie brauchen. Spiele sind dazu da, um Spaß zu haben und nicht, um Maßarbeit bis ins kleinste Detail zu leisten.", vertrat ich meine Ansicht über jeden einzelnen Nerd, der Wallhacks praktizierte und jeden, der nicht halb so gut war, wie er selbst, entweder aufs Übelste beleidigte oder sich über ihn lustig machte.

Ich kippte mir inzwischen noch ein wenig Rum nach, um das Glas etwas weiter aufzufüllen, und weil meine Mische doch ein wenig lascher ausgefallen war. Nicht gerade typisch, dass ich mich bereits Mittags betrank, aber man musste nehmen was kam und was hier her gekommen war, war ein Mensch, mit dem ich mich sicherlich gut verstehen konnte, wenn ich herausfand, was sie tolerierte, wo sie mitmachte und was sie ablehnte. Und Alkohol, egal zu welcher Zeit, schien sie schon mal nicht abzulehnen.

Während Angie sich um die CD und Console kümmerte, gab ich noch meinen überqualifizierten Kommentar zum Werdegang der weiblichen Karrierewünsche ab. "Also Model wollte ich auch eine zeitlang werden, aber ich bin glaub ich ein paar Zentimeter zu klein. Und Prinzessin bin ich schon, Prinzessin in meinem eigenen kleinen Schloss. Fehlt nur leider der Drache... is nämlich ziemlich einsam hier."

Mit entsetztem Gesicht betrachtete ich den Fernseher, bevor ich zweimal in die Hände klatschte. "Geh endlich an!."
... nichts geschah.
Doch, eigentlich geschah etwas. Meine empörten Gesichtszüge verwandelten sich in ein lachendes Grinsen, während ich eine Schublade am Wohnzimmertisch aufzog und sowohl Fernbedienung als auch zwei Controller daraus hervorzauberte. "Wir sind etwas wohlhabender... aber keine Ingenieure oder Hexer, die magische Elektrogeräte erschaffen. Anschalten müssen wir das Ding schon noch.", lachte ich und stellte mit der Fernbedienung den Sender ein, auf dem die Console lief, die sogleich ein breites Menü preisgab, in dem ich das Spiel auswählte und den zweiten Controller aktivierte, bevor ich ihn ihr reichte.
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 8:56 am

Oh ich fand, dass seine Eltern sehr gut einen zweiköpfigen Drachen darstellen konnten. Der eine säuselt dir ein Ohr ab und der andere speit Feuer. Ich schüttelte den Kopf, versuchte dieses seltsame Bild aus meinem Kopf zu bekommen. Öh... warum hatte er in meinen Gedanken ein rosa Kleid an!? Ächz, nein! Raus aus meinen seltsamen bildlichen Vorstellungen, so betrunken bin ich doch noch gar nicht...

"Naja... im Elektronikmarkt.... ach egal." Ich verwarf meinen Einwand wieder, so war es ja im Prinzip egal, da ja nun alles funktionierte. Allerdings fand ich seine Reaktion auf mein doch eher kindlich naives Verhalten ziemlich faszinierend. Er machte sich nicht direkt über mich lustig, sondern nahm es mit Humor und schaffte es sogar mir ein Grinsen zu entlocken, dass nicht auf Zwang basierte. Ja, ich glaube hier würde ich es aushalten und meinen Spaß haben. Aber ich sehnte mich auch schon nach dem Tag, an dem ich das Haus verlassen durfte. Ich mochte es nicht eingesperrt zu sein... Es war wie ein Gefängnis nur in Luxusausstattung.

Ich schnappte mir den Kontroller, den er mir vor die Nase hielt und verfolgte eher halbherzig, wie er das Spiel startete und ein paar Einstellungen an Konsole und Spiel vornahm. Noch schnell einen Schluck vom Colarummix und schon sah ich wie das Spiel losging. "Heyhey warte mal! Wie steuert man den Spaß?" Ich drückte einfach etwas auf dem Kontroller herum und konnte dann beobachten, wie sich das Gefährt in Bewegung setzte. Neben uns beiden dümpelten auch ein paar andere Fahrzeuge herum, die schon fröhlich auf die Dinos ballerten. Ich musste unterdessen erstmal zusehen, wie ich das Ding unter Kontrolle brachte, um nicht in den nahenden Abgrund zu rutschen.

"Was sind das für Dingsis... ähm... Teils.. das Blaue und Gelbe Zeug da?" Fragte ich Casimir und versuchte hinter einem der Saurier her zu fahren. Die Viecher waren zu schnell und zu wendig. Doch gerade als ich mich darüber aufregen wollte, lief mir ein Viech genau vor die Räder. "Yey! Halt warte... ich hab ein Tier
überfahren... das ist schlecht. Aber dennoch YEY!
" Ich war irgendwie gerade ziemlich begeistert von dem Game und das obwohl ich auf dem letzten Platz lag. Weder das schießen noch dieses schnelle rumdüsen hatte ich bisher für mich entdeckt und dennoch war ich einfach nur begeistert. Vielleicht spielte da der Alkohol eine gewisse Rolle.
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 8:57 am

Die Einstellungen für den Spielmodus gingen mir doch noch recht flott von der Hand, auch wenn ich das Spiel das letzte mal wissentlich vor Monaten gespielt hatte. War auch nicht mehr das Neuste der Reihe aber mir hatte es bisher immer gut die Zeit vertrieben.
Gerade als der Level aber startete, fiel mir überhaupt ein, dass ich vielleicht die Steuerung hätte erklären sollen. Während ich selbst noch kurz herumprobierte, welche Aktion genau welchem Effekt diente, besorgte sich Angie wohl mehr oder minder gewollt den ersten Dinokill ihrerseits. Die Bots waren währenddessen schon irgendwo bei ihrem zweiten oder dritten.

"Ach ja, die Steuerung." Ich ließ das Spiel weiterlaufen und hielt meinen Controller so, dass Angie alle Knöpfe, von denen ich sprach, gut sehen konnte. "Also, steuern tust du das Vieh mit diesem linken Stick. Gas gibt das Auto aber nur, wenn du X drückst, musst du beim Fahren auch gedrückt halten für Beschleunigung. Bremse gibts auf Viereck und Kreis, den genauen Unterschied hab ich noch nicht herausgefunden. Du kannst auch mit beidem durch die Gegend rutschen... oder driften, wie die coolen Kids sagen würden. Dreieck ist im Prinzip ignorierbar, da siehst du nur irgendwie in 'ner anderen Perspektive, die ich immer als sehr schwindelerregend empfand. Was haben wir noch... ach ja, hier hinten sind noch je zwei Knöppe am Controller. Links L1 und L2 und rechts R1 und R2. Mit R1 schießt du oder feuerst ab, was immer für Waffen du bekommst. Mit L1 nutzt du, was immer du da so kriegst. Du siehst, was du hast auf dem Bildschirm in der rechten unteren Ecke. Und R2 kannst du drücken, wenn du Nitro aufgeladen hast, dann fährst du noch schneller. L2 hat nur so kleine Hüpfer, die iwie nie helfen, wenn man irgendwo feststeckt." Mei, konnt ich ja 'n halbes Handbuch mit verfassen.

"Und zu den bunten Dingern auf der Straße... die solltest du alle immer einsammeln. Blau läd dein Nitro auf, wobei auch Driften das tut, nur eben nicht so schnell. Die roten Dinger geben dir zufällig ausgewählte Waffen. Da gibts Raketenwerfer, die beste Waffe im Spiel, die hat zwei Schuss und trifft so ziemlich immer das Ziel, wenn du das Fadenkreuz siehst. Die Granaten sind iwie Zeitverschwendung, es sei denn du steht wirklich paar Meter von nem Dino entfernt, dann triffste auch. Die Drohnen fliegen über dir und schießen auf alles, was in deiner Nähe ist. Auf gelb kriegst du andere spannende Sachen, das liegt auf L1. Da gibt es Schutzschilder, immer sehr praktisch wenn jemand mit Raketenwerfer auf dich zielt. Es gibt ne Ölpfütze, wo jeder drauf ausrutscht, Mienen, über die man nicht fahren sollte, weil sie die Reifen zerstören uuuund Geschütztürme. Die stellst du an irgend 'ner guten Stelle auf und die schießen auf alles in der Nähe, außer eben dich." Und damit hatte meine Ära der Erklärung hoffentlich ein Ende.

Nope! "Ach ja, das letzte noch! Du kannst auch die Bots abschießen, gibt extra Punkte am Ende... aber sie schießen auch auf dich. Und wenn du lange genug lebst und genug getötet hast, füllt sich dein "Dunkles Eco" auf, da kommst du in so 'nen special Modus, wo deine Waffen und Schutzmechanismen aufgerüstet und stärker sind. Den Modus verlierst du aber, wenn du stirbst und musst dann das Eco neu ansammeln."
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 8:57 am

"Ähm wow.. okay.. warte kurz.." murmelte ich, als er mit seine Redeschwall fertig war. Ich hatte angenommen, dass es leichter sei einen Dino zu überrollen, aber Pustekuchen. Hier schießen, da driften, dort Abgrund und gegnerische Bots, die dich abknallen, wenn du nicht aufpasst. Dabei war ich doch schon mal froh, dass ich überhaupt das Ding vorwärts bewegen konnte. Ich friemelte ungeübt auf dem Kontroller herum und versuchte irgendwie das umzusetzen, was er mir gesagt hat. Dinger einsammeln, Sachen schießen, Bots abknallen oder wegrennen.

Am Ende wusste ich gar nicht mehr, wie lange wir vor dieser Konsole hockten und dieses Spiel zockten. Ich wusste nur, mir tat die Finger weh und ich hatte langsam aber sicher ein Gefühl für die Steuerung bekommen. Oh, Spaß hatte es auch gemacht und gut Zeit totgeschlagen. Mittlerweile war ich bei meinem zweiten Rummix und ich spürte die Wärme des Alkohols durch meinen ganzen Körper fließen, aber auch wie er sich langsam auf meine Reaktion legte. Da ich auf Dauer nichts mehr richtig hinbekommen hatte, kam es ganz recht, dass wir plötzlich die Tür hörten. Das war sicher die Haushälterin!

Ich legte den Kontroller ab und stand auf, wenn auch etwas unelegant. Eine Eigenschaft die ich glücklicherweise nur dann an den Tag legte, wenn ich getrunken hatte. "Sicher mache ich gleich einen super Eindruck.. bin seit ein paar Stunden hier und schon halb angetrunken. Naja eigentlich nicht, aber man riecht den Alkoholkonsum..." Murmelte ich in Richtung Casimir, bevor ich zu der Tür lief, die Wohnzimmer und Gang trennte und vorsichtig hinausspitzte. Die Frau die ich erblickte wirkte schon etwas älter, die Haare waren bereits ergraut und zu einem komischen Knoten zusammengebunden. Sie war gerade damit beschäftigt, sich die Straßenschuhe auszuziehen und dann in die Hausschuhe zu schlüpfen, die bei der Garderobe standen. Bevor sie sich mir zuwenden konnte, zog ich den Kopf wieder ein und verkrümelte mich hinter Casimir.

"Ich.. weiß nicht was ich sagen soll. Ich bin... gerade ein bisschen schüchtern..." Piepste ich dann leise und blinzelte verwirrt. Sie hatte diese Type Oma-Aura, obwohl sie nicht mit mir verwandt war und ich nie in den Genuss von Großeltern gekommen war. Aber irgendwie löste sie in mir den Wunsch aus.. mich zu benehmen und mich ihr gegenüber anständig und respektvoll zu Verhalten. Hilfe was war nun bitte kaputt?! Ich glaube die neue Umgebung bekam mir ganz und gar nicht.
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 8:57 am

Das Spiel und die Kommentare der Charaktere, die man selbst und die Bots spielten, zeigten mir wieder einmal, wieso ich es viele Stunden in meiner Freizeit gezockt hatte. Es war spaßig, frech, bunt und recht einfach, wenn man die Steuerung erst einmal verstanden hatte. Sowas ging einem recht schnell von der Hand, wenn man erst ein paar Testläufe hatte. Auch bei Angie schien es nach einer Weile der Fall zu sein.
Nach den Testläufen hatten wir die Flasche Cola geleert und der Rum in seiner Flasche war auch immer weniger geworden, auch wenn ich die Gläser, die wir insgesamt getrunken hatten, nicht mitzählte.

Mein linker Daumen wurde von dem Analogstick weh, weswegen ich häufiger in Berge oder Abgründe hineinlenkte als am Anfang... konnte aber noch andere, liquide Gründe gehabt haben. Alles in allem war es aber doch ziemlich lustig und wir hatten genug Zeit überbrückt, wie ich mithilfe einer zufallenden Tür im Flur feststellen durfte. Unser Nahrungschauffeur war da!

Angie schien das irgendwie ein paar Augenblicke vor mir festgestellt zu haben und war schon in elegantester Manier alkoholisierter Gleichgewichtsorgane aufgestanden und zur Tür gelaufen, wenn sie dort auch etwas unschlüssig herumstand. Meine Chance witternd holte ich also auf. "Wenn du ohne Lallen und Stolpern bis zu ihr kommst, ist alles gut. Dann fällts nicht weiter auf.", antwortete ich auf ihre Bedenken und zog aus meiner Hosentasche eine angefangene Packung Kaugummis. Hielt ihr eben jene vor die Nase. "Beim Kauen mit offenem Mund tief einatmen, dann vergeht der Geruch schneller.", meinte ich noch und schob mir schon gleich selbst einen entpackten Streifen in den Mund.

Als sie sich dann wie aus dem nichts hinter mir versteckte als wär sie ein Kindergartenkind, das das erste Mal in Berührung mit großen Hunden kam, musste ich schon leicht grinsen. Ich war nie wirklich der Beschützertyp gewesen, eher jener, der beschützt werden musste. Aber ich konnte sie verstehen. Ich wüsste auch nicht, was ich einer Haushälterin sagen sollte, in dessen Arbeitsraum ich seit ein paar Stunden gezwungenermaßen lebte. "Verständlich. Zumindest ersteres. Die schüchterne Phase musst du bei mir wohl übersprungen haben. Aber ich muss erstmal schauen, wie weit sie im Bilde ist über die Untaten meiner Eltern. Komm einfach mit, ich übernehm vorerst das Reden. Aber eine Angst, sie beißt nicht." Dabei hielt ich ihr schon meine Hand hin, bevor mir überhaupt erst bewusst wurde, dass ich es tat. Hatte ich gerade spontan 'nen Ritterkomplex entwickelt oder was?
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 8:58 am

"Ich habe sie nicht übersprungen, sondern ich war richtig sauer und das war ja wohl berechtigt." Murrte ich und stopfte mir wenige Augenblicke später den Kaugummi in den Mund. Ja der würde sicher den Geruch des Alkohols abschwächen, vielleicht auch komplett vertuschen. Ich atmete einmal tief ein bevor ich noch etwas zu meinem letzten Satz hinzufügte. "Zudem bin ich selten schüchtern was gleichaltrige angeht... Mein Charakter ist schwierig und je früher das alle mitkriegen, desto eher habe ich sie los." Ich mochte es nicht, wenn ich zu viel Interesse weckte... Was also tun? Sie alle abschrecken! Bisher hat es ja auch fast immer geklappt.

Es erleichterte mich aber zu wissen, dass er meine planlosigkeit verstand und mich nicht herzlos in die Höhle des Löwens warf. Oh nein... eher der Löwin. "Danke, das wäre eine große Erleichterung, da ich keine Ahnung habe was ich ihr sagen sollte. Es kommt mir ja selbst sehr unglaubwürdig vor." Gestand ich leise und trat nervös von einem Fuß auf den anderen.

Zuerst war es mir deshalb auch gar nicht richtig aufgefallen, aber nun bemerkte ich seine Hand, die er mir wohl in einer aufmunternden Geste zustrecken wollte. Und da waren wir also wieder mit diesem kleinen Problem, dass sich einfach nicht umgehen ließ. Meine Scheu vor jeglichem Körperkontakt und sei er auch noch so nett gemeint oder gar unbewusst. Jede Berührung machte mich nervös und ich verkrampfte mich. Manchmal rutschte mir auch schon ein spitzer Schrei heraus, wenn die Berührung völlig unerwartet kam. Nur wenige Menschen hatten das Privileg mich anzufassen, ohne das ich gleich einen Koller bekam. Aber das beanspruchte Zeit und Vertrauen... und beides war hier nicht vorhanden.

Ich tat also das was ich immer tat, ich wich vor seiner Hand zurück, starrte sie lediglich an. Wieder schnappte ich mir eine Haarsträhne und kringelte sie um meinen Zeigefinger, kaut auf meinen Lippen herum und wand den Blick ab. Ich war nervös und wusste nun auch mit dieser Situation nicht umzugehen. "Weißt du.... ich...... also.....   ich....." Die Worte schossen durch meinen Kopf aber sie verließen meine Kehle nicht, blieben lediglich drin stecken und formten einen Kloß in meinem Hals. Scheiße verdammt ich konnte es einfach nicht anständig verarbeiten und nun sowas.
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 8:59 am

Ich konnte mir leider das Lachen nicht verkneifen. "Ich sammle Kontakte zu schwierigen Charakteren, keine Sorge, einer mehr oder weniger fällt nicht auf. Und bisher wurde mich noch keiner los. Ich bin auch nicht gerade Einfachheit in Person, wenn wir denn gerade dabei sind."

Woran sie jetzt genau festmachte, dass sie ein schwieriges Persönchen war, wusste ich jedoch nicht genau. Es gab zwar einige Möglichkeiten, wovon ihr Verhalten gegenüber meinen Eltern und ihre jetzige Schüchternheit gegenüber der Haushälterin bezüglich Zusammenhang zu ihrem Gesagten am wahrscheinlichsten waren, doch konnte ich da jetzt keine allzu großen Absonderlichkeiten feststellen. Mensch, wusste sie eben nicht, was sie zu 'ner alten Putze sagen sollte und reagierte ein wenig pampig darauf, dass ihre Mutter sie gerade an einen reichen Freak verkauft hatte... wenn das keine normalen Reaktionen auf Aktionen waren, wusste ich auch nicht mehr, was normal war.

Natürlich war mir nebenbei in den Sinn gekommen, dass sich auch andere Situationen meinen könnte, die ich nicht miterlebt hatte... aber wie ich gerade sagte, die hatte ich nicht miterlebt...zählten für mich also nicht.
Synchron kauten wir also dort rumstehend auf unseren Kaugummis rum, bis sie Reaktion auf meine Hand zeigte, wobei ich eigentlich eher auf ein "Okay, los gehts." wartete.

Auf das irritierte Starren hin zog ich sie langsam zurück. "Tschuldige... das kam eher unterbewusst.", lachte ich ein wenig peinlich berührt und bewegte besagte Hand zu meinem Kopf und fuhr mir seitlich durchs Haar. Für mich war jetzt eigentlich das Thema Hand recht schnell beendet gewesen, doch nachdem ich kurz den Blick gesenkt hatte und ihn nun wieder hob, waren die Folgen meines Handreichens doch etwas suspekter, als ich für möglich gehalten hätte.
Erst betrachtete ich meine eigene Hand, vielleicht war ja irgendetwas Ekliges dran klebengeblieben, was immer es auch hätte sein können, aber die Hand sah aus wie immer.

"Ist alles in Ordnung? Du kannst jederzeit alles, was ich dir reiche, ablehnen, vor allem meine Hände. Dir wird hier nichts aufgezwungen... naja, außer diese scheiß Verlobung eben.", meinte ich nach kurzem Zögern und betrachtete sie etwas besorgt. Angie wirkte ein bisschen sehr nervös dafür, dass ich ihr nur meine Hand gereicht hatte
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:00 am

Ich schüttelte den Kopf auf seine Entschuldigung, sah dann aber weiterhin zu Boden. "Du musst dich nicht entschuldigen... Ich.. hab es dir ja nicht gesagt und meine Mutter sicher auch nicht." Blubberte es einfach aus mir heraus, gleich danach ein wehleidiges Seufzen. Er hatte das Recht es zu erfahren und vielleicht würde er es akzeptieren und dieses Wissen nicht gleich gegen mich anwenden. "Ich kann mit Körperkontakt nicht umgehen." Gestand ich schließlich und wickelte dabei die Strähne so fest auf, dass es schon fast weh tat.

"Das hat auch nichts mit dir direkt zu tun.. auch wenn ich mir bei Kerlen noch härter tue als bei Frauen. Es ist einfach.. jemand fasst mich an und ich kann mich nicht mehr bewegen, nicht mehr atmen nicht mehr.. denken." Jetzt sprudelten die Worte immer schneller und schneller aus meinem Mund heraus. "Vielleicht verstehst du jetzt auch,  warum ich die Handwerker abgelehnt habe und immer so erpicht darauf bin einen Abstand zwischen mir und allen Menschen um mich herum zu wahren." Ich wurde zum Ende hin immer leiser, ich wusste ja nicht, ob uns die Haushälterin schon gehört hatte und nun auf dem Weg zu uns war. Nicht jeder musste unbedingt von meinem kleinen Problem wissen. Doch vielleicht.. vielleicht hätte es seine Eltern abgeschreckt und sie hätten die Verlobung aufgelöst. Aber ob er es dann mit seiner neuen Verlobten besser erwischt? Bei mir konnte er jedenfalls sein altes Leben aufrecht erhalten und ich mit etwas Glück später auch. Es war eine Win-Win-Situation in meinen Augen.

"Tut mir echt leid.. ich hätte es dir vielleicht früher sagen sollen, aber nicht jeder Mensch akzeptiert das und dann belästigen sie mich erst recht und... ich bin einfach vorsichtiger geworden." Damit ließ ich meine Haarsträhne endlich los und blickte auch wieder nach oben. Ich fühlte mich ziemlich unehrlich, wenn ich Leuten nicht ins Gesicht sah.. aber in diesem Fall war es mir einfach nur schrecklich unangenehm.

Bevor ich aber noch etwas sagen konnte, hörte ich plötzlich leise Schritte auf uns zukommen und ich gab meine geknickte Stellung auf. Sofort begradigte ich meinen Rücken und setzte ein.. naja sagen wir leicht überraschtes Gesicht auf. Nach dem Sinne 'Ich wusste ja gar nicht, dass es eine Haushälterin gibt!' sozusagen. "Uh.. ähm.. Hallo?" Ich setzte schnell ein Lächeln auf, obwohl mir danach mal wieder gar nicht zumute war. Aber das konnte ich eben am besten.. So tun als sei nie etwas gewesen.
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:00 am

Auf diese kleine Geständnisrunde konnte ich nur blinzeln und starren. Aber gut, was konnte man auch mehr tun, wenn man nur zuhörte. ich hätte nebenbei sicher problemlos Walzer um sie herumtanzen können, aber das schien im Nachhinein betrachtet nicht ganz zu der Situation zu passen. Also stand ich eben nur da und hörte zu. Ein klein wenig verständnislos am Anfang, musste ich zugeben, denn wenn ich etwas liebte, dann Körperkontakt. Haut war weich, warm oder kalt und verband Menschen. Es war ein schönes Gefühl für mich.... Schläge jetzt vielleicht nicht so. Wobei... wenn ich jemandem ein Paar aufs Maul gab war es für mich doch schon irgendwie ein schönes, Genugtuung verleihendes Gefühl.

Na egal. Also musste ich erst einmal hinnehmen, dass es Menschen gab, die Körperkontakt nicht so tolerant gegenüberstanden. Doch als sie begann es in einem ganz schön beeindruckenden Wortschwall zu erklären, begann ich langsam zu verstehen, dass mehr, weitaus mehr hinter der kleinen Phobie steckte als einfache Abneigung vor'm Anfassen. Es klang ganz so, als wären ihr Dinge widerfahren, die unheimlich tiefe Wunden geschürften hatten.

Wie häufiger wenn ich zuhörte und dachte, breitete sich mein ernster Analytikergesichtsausdruck über meinen Gesichtsmuskeln aus, während mein Zeigefinger langsam über meine Unterlippe strich, der Rest der Finger locker ums Kinn gelegt. Hätte ich einen Bart gehabt, hätte ich den wahrscheinlich gestreichelt.

"Mhm.", war mein geistreicher verbaler Erguss über ihr Geständnis. Aber da das wirklich ein bisschen sehr wenig war und vor allem behämmert klang, versuchte ich es ein wenig weitschweifender. "Ich habe gerade das sehr unpassende Bedürfnis dich in die Arme zu nehmen. Ich bin da meist ein bisschen überfürsorglich, aber ich glaub das verschiebe ich lieber. Ja, also ich kann nicht sagen, dass ich verstehe, wie du dich fühlst, Körperkontakt ist das, wovon ich lebe...so ziemlich. Aber ich verspreche dir hier und jetzt, dass dich hier in diesem Haus und in meiner Gegenwart niemand... niemand!! ungefragt anfasst."

Ich runzelte leicht die Stirn und überdachte das Gesagte noch einmal. Jep, definitiv Ritterkomplex. "Ich versuch auch, meine schlechte Angewohnheit, einfach unbewusst durch Anfassen von Unterarmen oder Schultern oder Haaren zu kontrollieren. Versprechen kann ich nichts, aber schubs mich einfach, wenn ichs vergesse." Klang, als würde ich es übel übertreiben mit meinen Sicherheitsmaßnahmen aber ein kluges, überdramatisches Köpfchen wie meines malte sich sonstwelche Gründe für ihr Verhalten aus, weswegen ich das alles in meinen Augen für begründet hielt. Oder eben einfach nur erbärmlich ritterhaft.

So versunken in mein Fantasiebild von Angies Vergangenheit in Puzzleteilen bekam ich nur am Rande mit, wie sich ihre Körperhaltung veränderte und plötzlich die Haushälterin vor uns stand. Ihr Gesicht war angesichts eines Mädchens mit mir allein im Haus ein wenig überrascht, aber auch Angies Reaktion auf Lindas Ninjaskills schien einer Überraschung gleichzukommen. Ich hingegen schreckte erstmal vollkommen auf und erntete von ihr ein leichtes Lachen.

Hallo Liebchen, wo hat der Held dich denn weggeschnappt?, sie gab ein freundliches Altfrauenlachen von sich, das wohl in jedem Kinderfilm stereotypisch auftauchen musste, damit die alten Menschen auch ja sympathisch wirkten... aber es funktionierte. "Ich bin hier die Haushälterin. Und so wie alle anderen auch kannst du mich gern Linda nennen. Nur eins sei gesagt: ich bin Haushälterin, kein Butler!", meinte sie mahnend und wedelte mit dem Zeigefinger. Doch sofort wurden ihre Züge wieder warmherzig und neugierig musterte sie Angie.
Ich stand nur daneben und seufzte leicht. "ich weiß ja nicht, ob man dir die frohe Botschaft schon verkündet hat. Aber ich bin jetzt verlobt. Darf ich vorstellen: Meine Verlobte. Angie. Sei ja nett zu ihr, hörst du!", erklärte ich überdramatisierend feierlich und grinste.
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:01 am

Ich unterdrückte ein überraschtes aufkeuchen. Ihre Stimme war weich, genau wie ihre freundlichen Gesichtszüge und nahezu in einer Sekunde hatte ich meine anfängliche scheu überwunden. Jetzt mussten aber nur noch die richtigen Worte her. Irgendwie war das gerade alles zu viel und zu schnell. Erst dieses Versprechen von Casimir, dass mich hier nie jemand anrühren würde, dann die Haushälterin, die das Bild einer Großmutter traf wie die Faust das Auge.. Ich atmete einmal ganz tief durch, zwang mich zur Ruhe. Ich sollte nicht den Fehler begehen ihm alles sofort zu glauben, nur weil er das sagte. Ich weiß, dass es nicht sonderlich fair ihm gegenüber war, aber jetzt musste ich einfach mal etwas egoistisch denken.. Vielleicht würde er ja irgendwann die Möglichkeit haben, sich zu beweisen.. und dann würde ich ihm ein Stück meines Vertrauens schenken.

"Wir er schon richtig gesagt hat, ist mein Name Angie und.. ich bin... irgendwie wirklich seine Verlobte." Es war noch immer schwer diese Worte auszusprechen, weshalb ich erst eine kurze Pause einlegte. "Es freut mich, deine Bekanntschaft zu machen, Linda." Setzte ich schließlich nach und lächelte ihr zu. Ich hoffte inständig, dass sie es nicht als unhöflich erachtete, dass ich ihr nicht die Hand gab. Oft tat man das ja so, wenn man sich vorstellte.. ich natürlich nie.

"Keine Sorge. Ich musste schon immer für mich selbst sorgen und schaffe das auch weiterhin. Nur leider sind mir die Versorgungswege abgeschnitten, weil wir das Grundstück nicht verlassen sollen.. Warum auch immer." Letzteres murmelte ich eher mir selbst zu. Glaubten diese Menschen denn, dass ich meine Meinung innerhalb von ein paar Tagen änderte und plötzlich nie wieder weg wollte. Ich könnte morgen, aber auch erst in einem Monat von hier abhauen, von Zäunen und solchen Späßen ließ ich mich sicher nicht beeindrucken. Natürlich hütete ich mich davor der Haushälterin davon irgendetwas zu sagen. Am Ende würde sie es seinen Eltern sagen, ich hatte ja keine Ahnung wie sie zu denen stand, und dann hätten wir hier nichts mehr zu lachen. Nein, nein.. das musste ich wirklich niemanden unter die Nase reiben.

"Ach und zu deiner Frage.. geschnappt hat er mich nicht... eher seine Eltern." Lenkte ich ab um ihre Reaktion auf diese Leute zu testen. Vielleicht war sie ja auch nicht sonderlich begeistert von ihnen und war nur wegen Casimir hier angestellt. Ich beschloss mich langsam an die Sache ranzutasten.. Irgendwann würde ich schon erfahren, ob ich ihr trauen durfte oder wirklich immer aufpassen musste was ich sage.
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:01 am

Ich sah, wie der Zweifel sich langsam im Gesicht von Linda breitmachte, als ich das Wort 'verlobt' aussprach. Zweimal hintereinander machte es auch nicht wirkungsvoller für sie. Zweifelnd hob sie eine Augenbraue und betrachtete mich, als wäre ich wieder einmal high und wär ihr in Unterwäsche entgegengekommen, sie vor den Teletubbies im oberen Bad warnend. Oh die Standpauken, die eeeewigen Standpauken.
Dennoch, sie schien nicht sonderlich überzeugt von der Wahrheit. Doch als Angie es wiederholte, veränderte sich ihr Gesichtsausdruck zunehmend. Etwas besorgt, etwas verwirrt. Ja, von allem dazwischen auch etwas dabei. Ich konnt es ihr nicht verdenken.

"Na, die Geschichte müsst ihr mir aber in aller Ruhe erzählen, wenn ich mit dem Haushalt fertig bin.", meinte sie nach kurzer Bedenkzeit und strich sich die Bluse glatt. Oh ich wusste, was jetzt kam. Und dennoch, keine Vorwarnung. Schon lag ich an ihrem üppigen Omabusen, während mein Kopf getätschelt wurde wie der eines 5-jährigen Enkels. "Herzlichen Glückwunsch, mein Schlingelchen. Vielleicht kann sie dir ein wenig mehr Vernunft eintrichtern. Weißt schon, nicht in dem Sinne. Einfach all deine Unartigkeiten. Vielleicht wirst du endlich erwachsen." Ein wenig verdrehte ich die Augen, denn ich war meiner Meinung nach erwachsen genug für einen 17-Jährigen. Sogar mit Job und allem.

Und mit diesen liebenden Worten ließ sie mich endlich los. Ja, vielleicht hätte ich Angie vorwarnen sollen. Linda liebte spontane Umarmungen. Wie jede Oma. Doch bevor sie bei Angie ansetzen konnte, hatte ich ihr freundlich eine Hand auf den Oberarm gelegt, eine Geste, wie man sie oft sah, wenn jemand, jemand anderen an irgendetwas erinnern wollte und ganze Aufmerksamkeit forderte. "Nana, nun lass sie sich erstmal einleben, erdrücken kannst du sie später. Ich hab übrigens 'ne kleine Extraliste gemacht, liegt in der Küche." - "Natürlich, du hast recht. Ich will immer jeden gleich ins Herz schließen. Und wie ginge es einfacher als so?! ... Jaja, Bürschchen, ich werd deine Botin spielen. Ich hoffe ja, dass diesmal nicht so viel ungesundes Zeugs draufsteht. Und keine Sorge, Liebchen... Angie. Besorgungen werde ich so viele machen, wie ich kann. Hier wegzukommen ist doch viel zu teuer, all die Taxen mit ihren überteuerten Preisen. Aber schön zu hören, dass zumindest eine Person hier gewillt ist, ihren Wohnplatz selbst sauber zu halten... nicht war, Bürschchen?"
Tat mir ja fast leid, dass die Liste sie da enttäuschen würde. Nein halt, nach dem Kommentar schon fast nicht mehr. Ich grinste nur ein wenig schief und verdrehte einmal mehr die Augen.

Angies Kommentar über meine Eltern ließ Linda aufhorchen. Mit einem verächtlichen Laut stemmte sie die Hände in die Hüften und sah mich mahnend an. "Hab ich dir nicht gesagt, die beiden mal zu erziehen? An dir gibt es nichts verwerfliches und trotzdem haben sie ein unschuldiges Mädchen mit in die Sache hineingezogen."

Sie schüttelte fassungslos den Kopf und wendete sich dann wieder an Angie: "Ach Liebchen. Ich weiß zwar nicht, wie du hier reingeraten bist aber mach dir keine Sorgen. Er hier ist ganz handzahm und die Eltern... naja. Wir kennen sie ja nun alle von der gleichen Seite." Sie gab ein leichtes Lachen von sich und klatschte dann leicht in die Hände. "Genug geschwatzt, das Putzen erledigt sich leider auch nicht von alleine!" Und damit schwirrte sie, nachdem sie Angie noch ein letztes aufmunterndes Lächeln geschenkt hatte, in die Abstellkammer, um das Putzzeug zu holen.
Hey? Und wo war mein aufmunterndes Lächeln? Ich war doch hier genauso gefangen wie Angie!
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:02 am

Ich erwiderte nichts auf ihre Glückwünsche, die sie an Casimir richtete. Ich würde keine gute Braut abgeben, weder für ihn noch für andere Männer.. Aber naja, vielleicht würde er sich durch mich in irgendeiner Form verändern, die Linda als positiv empfand, ich schätze die Chance allerdings als sehr gering. Die arme Frau, so herzlich zu mir und schon musste ich sie enttäuschen... Dabei kannte ich sie doch erst seit wenigen Minuten. Fast hätte ich damit gerechnet, dass sie sich nun auch auf mich stürzen würde, sie schien zumindest Anstalten zu machen und ich wich kaum merklich zurück. Casimir allerdings schien mein Problem wirklich verstanden zu haben.. Ohne groß unhöflich zu ihr zu sein oder ihr von meinen Problemen zu berichten, hielt er mir sie vom Leib. Es mochte zwar harsch klingen, aber so war es eben gerade.

"Oh nun wie gesagt.. ich kenne es nicht anders." Erwiderte ich lediglich und zuckte bemüht unbekümmert mit den Schultern. Auf der Straße gab es kein 'putzen' oder 'aufräumen' und daheim hatte ich kaum etwas um mein Zimmer zu verdrecken. Außer meine Klamotten, aber um die hatte ich mich ja schon immer selbst bemüht.

"Nunja... ich glaub seine Eltern sind nicht alleine auf diese Idee gekommen. Meine Mutter ist nicht sonderlich begeistert von ihrer ältesten Tochter und ich glaube sie war ganz froh, dass sie mich loswerden und gleichzeitig ihre Schuld tilgen konnte." Ich seufzte leise auf. Solch eine Mutter würde ich keinem an den Hals wünschen.. Casimirs Eltern aber auch nicht. Ich konnte mich noch immer nicht entscheiden, wer von uns beiden es schlimmer getroffen hatte. Mein Vater war wenigstens liebevoll zu mir.. in seinem Fall war wohl seine Mutter der humanere Teil, auch wenn sie nicht viel zu sagen hatte wie es schien.

"Ja, scheint wohl so." Ich wusste selbst nicht, ob ich mich damit auf das handzahm oder das Eltern von der gleichen Seite kennen bezog. Meine Gedanken wollten auch gerade gar nicht mehr so sinnvoll arbeiten, da sie schon wieder an Informationsüberfluss ersoffen. Ich war es einfach nicht gewöhnt, dass sich so viel auf einmal in meinem Leben veränderte. Schon damals als ich auf die Straße zog war es schwer, aber hier war es sogar noch schwerer. Ich registrierte gerade noch ihr Lächeln, dass sie mir schenkte, bevor sie sich schon an die Arbeit machte. Sie war so liebenswürdig!

"Sie ist... nett." Murmelte ich in seine Richtung und legte meine Hände auf meine Wangen. "Genau wie du gesagt hast." Und diesmal wusste ich, dass ich mich nicht nur auf die Beschreibung der Haushälterin, sondern auch auf sein gegebenes Versprechen bezog. Nunja... mal sehen wie sich das später noch entwickeln würden. "Und.. was machen wir nun noch? Warte... Wie viel Uhr haben wir überhaupt?" Ich suchte etwas verwirrt nach einer Uhr an der Wand, fand aber auf die schnelle keine.
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:02 am

"Ich sag das gar nicht gern, aber eine Schande ist das. So ein liebreizendes Mädel wie du... die verpasst was, deine Mutter, da bin ich sicher. Aber vielleicht hast du es hier ein bisschen besser. Wir haben dich gern hier, nicht war, Bürschchen?“, gab sie mit mütterlich oder eher großmütterlich warmem Lächeln von sich und stieß mir mit dem Ellenbogen in die Rippen. Ich atmete schmerzlich geräuschvoll aus und nickte brav, auch wenn ich ihr nicht einmal etwas entgegenzusetzen hätte. Bisher war Angie nur eine Bereicherung meines Tages gewesen, ich hätte nichts dagegen, dass sie hier blieb. Aber natürlich konnte sich das jederzeit ändern, wobei ich mir nicht einmal herausnahm, ihr die Schuld für zukünftige Querelen zu geben, ich kannte mich schließlich gut genug.

Ich blickte noch kurz Linda hinterher, die sofort geschäftig mit dem Eimer, Wischmopp und dem Besen die Treppen hinaufstapfte und, oben angekommen, zu pfeifen begann.

Angie hatte es ganz korrekt formuliert, wenn auch in kleinem Understatement. „Jah... nett. Sie ist der Sonnenschein dieses Hauses, ich bin mehr zu hell eingestellte Neonröhren. Sie ist wirklich ein Schatz. Weiß gar nicht, wie meine Eltern an so einen herzensguten Menschen gelangt sind.“ Ich zuckte zusätzlich mit den Schultern und malte mir spaßeshalber aus, wie sie Linda von einem Sklavenmarkt beschafften. Nein, ich sah sie definitiv nicht so, aber ich konnte mir irgendwie nicht erklären wie sie meine Eltern kennengelernt haben konnte. Mental notierte ich mir, sie demnächst einmal danach zu fragen.

Auf Angies erste Frage hatte ich irgendwie noch keine Antwort, grübelte nur kurz in mich hinein, doch für die zweite zog ich mein hübsches Handy aus der Hosentasche, entsperrte den Bildschirm und teilte ihr kurz mit, dass es grad kurz vor drei Nachmittags war.

Gerade stellte ich die Bildschirmsperre wieder ein und dachte über eine Antwort auf ihre erste Frage nach, als meine Hand plötzlich stark begann zu vibrieren. Ich schmiss beinahe mein Handy in den Flur und fingerte mit beiden Händen im Fall danach, bevor ich es zu fassen bekam.

„Na, normalerweise reagier ich anders, wenns vibriert.“, kicherte ich, entschuldigte mich kurz, entfernte mich ein paar Schritte und nahm dann ab. Meldete mich gleich mit meinem nicht allzu offiziellen Namen und hörte mir brav die Pläne und Wünsche eines meiner Stammkunden an. Klang alles ganz gut, nur durfte ich ja das Haus nicht verlassen. Ihm das Ganze erklärend kaute ich leicht auf der Unterlippe herum, bevor ich ihm meine Adresse gab, sagte, er solle zwischen 9 und 10 hier antanzen und das Geld in bar mitbringen. Es war fast gruselig wie er ohne jegliches Hinterfragen zusagte. Aber egal, ich freute mich auf seine leicht bescheuerte Idee und dessen Exekution.

„Entschuldigung, war was Geschäftliches. Nun. Ich würd sagen: Der Abend ist jung, trinken wir noch ein Glas und dann darfst du mich von deinen Ballerina-Qualitäten überzeugen!“ Ich grinste ziemlich breit und freute mich auf ein bisschen Gehampel im Wohnzimmer.
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:04 am

Die Uhrzeit vernahm ich eher nebenbei, denn in meinem Kopf ging wieder Chaos los. Jetzt wo er es erwähnte, fragte ich mich natürlich auch, wie gerade Linda zu diesem Job hier kam. Vielleicht erging es ihr ähnlich wie meiner Mutter, sie hatte Schulden und konnte sie nicht bezahlen. Doch da sie keine ungeliebte Tochter hatte, musste sie das anderweitig abarbeiten. Vielleicht wurde sie ja von ihrem Mann verkauft! Oder von den Enkelkindern! ... Oder aber sie hat den Job durch eine gewöhnliche Agentur oder ein Inserat bekommen, so wie ca. 95% der Weltbevölkerung und ich dramatisierte einfach alles unnötig. Egal wie es dazu kam, ich war jedenfalls froh, dass sie hier war. Ich fragte mich wirklich, wie sie es geschafft hatte, dass...

Jäh würde ich aus meinen Gedanken gerissen, als plötzlich Casimirs Handy begann zu vibrieren und er es fast in hohen Bogen durch den Raum jagte. Seinen schnellen Reflexen hatte er es dann schlussendlich zu verdanken, dass das Gerät den Boden nicht näher kennenlernen musste. Fast hätte ich lachen müssen, doch sein Kommentar trieb mir eher die Röte ins Gesicht. Es war völlig falsch, dass mir jetzt die Bilder von seiner... 'Sammlung' in den Kopf kamen. Ich schüttelte den Kopf, vertrieb diese untypischen Gedanken, die ich sicher nur dem Alkohol zu verdanken hatte. Ein Nachteil, der mir immer erst zu spät in den Sinn kam.

Während er also telefonierte, begab ich mich zurück ins Wohnzimmer und ließ mich wenig elegant ins Sofa plumpsen. Die Beine winkelte ich schließlich an, wickelte meine Arme um die Knie und legte meinen Kopf darauf. Es war eine Abwehrhaltung, auch wenn ich nicht genau wusste, warum ich mich plötzlich so klein fühlte und damit meinte ich nicht einmal meine Körpergröße! Sobald ich alleine in einem Raum war, kam er mir erdrückend groß vor und ich fühlte mich einfach nur unwohl. Es war ein komisches Gefühl und ich redete mir einfach ein, dass es sich schon irgendwann legen würde.

Um mich davon abzulenken, schnappte ich mir ein paar meiner losen Ponysträhnen und flocht sie halbherzig zu kleinen Zöpfchen. Als er wieder ins Wohnzimmer kam, hatte ich ca. zehn dieser Dinger in meinem Haar und begann schon wieder sie aufzutrennen. „Dieser Traum is uralt und schon lange unter der Erde. Beweglich genug wäre ich zwar.. aber… naja… nein.“ Ich seufzte und trennte weiter diese dämlichen Zöpfe auf. Ich musste mir dringend abgewöhnen, mit meinen Haaren rumzuspielen. Ich brachte sie nur durcheinander damit.

„Naja ein bisschen hin und her hopsen, dass dürfte ich noch schaffen.“ Ich trennte mir die letzten Strähnen auf, bevor ich mich dann vom Sofa erhob. „Aber Ballerina-Qualität wirst du selbst in nüchternem Zustand nicht sehen.“ Ich setzte ein Grinsen auf, war froh, dass ich jetzt nicht mehr dieses beklemmende Gefühl hatte, dass mir der Raum gleich auf den Kopf fiel. Gerade wollte ich mich in Position begeben, da viel mir etwas Entscheidendes auf. „Vielleicht sollte ich… mich erstmal umziehen.“ Meine Kleider waren nicht für sowas gedacht und am Ende kam ich vielleicht ins Schwitzen und… nein ich würde mich sofort umziehen gehen.  „Ich bin gleich wieder da!“ Rief ich und war schon auf dem Weg nach oben.

Dort verlor ich keine Zeit, streifte mir mein Kleid über den Kopf und legte es sanft auf dem Bett ab. Dann trabte ich in Unterwäsche zum Schrank und kramte dort ein schlichtes, schwarzes Top und eine graue Trainingshose hervor. Ich beeilte mich extra, mir war ja noch immer nicht so wohl in diesem Haus. In nur wenigen Minuten stand ich wieder im Wohnzimmer, meine Wangen leicht gerötet von der Eile und dem Alkohol. „Du kannst schonmal alles einstellen, ich bin gleich fertig.“ Damit zog ich mir die Schleifen aus dem Haar, fasste sie zu einem Zopf zusammen und wickelte anschließend ein Gummiband drum herum. Anschließend noch eine Klammer rein und tadaaaa~ Die langen Zotteln waren auch aufgeräumt und würden nicht stören. Ich holte nochmal tief Luft, stieß sie geräuschvoll wieder aus und verkündete dann: „Wir können Anfangen!“
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:05 am

Mein Blick fiel auf die kleinen Zöpfe in ihren Haaren. Entweder war sie verdammt schnell im Flechten oder ich hatte länger telefoniert, als ich gedacht hatte. Sah aber irgendwie knuffig aus und weckte bei mir auch leicht den Drang, meine Haare zu stylen. Ich war doch irgendwie falsch gepolt. Scheiß auf Fußball, lasst mich mein Makeup auftragen, wir gehen shoppen!

Ich ließ mich schnaufend auf das Sofa fallen und warf mein Handy neben mich auf eines der freien Sitzpolster, bevor ich eine Erwiderung auf Angies recht depressiven Monolog brachte.

„Tss, Träume kommen nicht unter die Erde. Maximal in Schubladen mit der Aufschrift "Ich trau mich nicht" oder "Hat doch eh keinen Sinn". Meinetwegen kannst du jetzt noch Balletstunden nehmen. Haben wir wenigstens beide was Sportliches in unserer Freizeit zu tun.“ Auch wenn ich gerade nicht sicher war, ob ich vom Capoeira oder dem Stangentanzen sprach. Vielleicht einer gesunden Mischung. Ich runzelte die Stirn. Was war am Stangentanzen bitte gesund?
„Hüpfen reicht aber auch vollkommen, Hauptsache, wir haben überhaupt was zu tun.“

Ich blickte ihr noch kurz nach, als sie zum Umziehen verschwand und nutzte die Gelegenheit, mir eine meiner special Zigaretten aus dem Etui meiner Hosentasche zu zaubern. Sweet Jesus, das würde ich heute Nacht brauchen.
Während ich also wartete, zündete ich mir genüßlich meine Wundermischung an und öffnete die Tür zum Garten, damit es hier nicht zu sehr nach Drogenhöhle roch. Nebenbei gingen mir die wildesten Fantasien durch den Kopf. Wie kam der Typ nur auf so dämliche Ideen?
Mit einem Kopfschütteln begutachtete ich die Packung des gleich rezipierten* Spiels und machte mich daran, die CD in die Wii zu stopfen.
Gerade betrachtete ich das hektisch blinkende Etwas, das ich bisher nur mit meiner Mutter zusammen benutzt hatte, als Angie wieder ins Zimmer kam und begann, an ihren Haaren herumzuspielen. verdammt, das weckte irgendwie den Drang in mir, da auch mal in die vollen, langen, extrem weich aussehenden Locken hineinzugreifen. Musste der Alkohol sein...

„Eingelegt is scho... Aber bissl Platz könnt man schaffen.“, meinte ich und stemmte mich unwirsch gegen den teuren Wohnzimmertisch, schob ihn, die Zigarette zwischen den Lippen, weit weit weg und machte mich dann daran, auch Sessel udn Sofa einige Stücke aus der Tanzfläche zu bewegen. Wollte ja nicht, dass sie oder ich uns irgendwie daran stießen, wenn wir abspasteten.
Kurz nach ihren Haarangelegenheiten war auch ich fertig und betrachtete den quietschbunten Bildschirm.

„Gut, was hätten wir denn gern? Eher die Nussknacker-Suite oder doch ein Tänzchen aus dem Ballett für die Schwanenprinzessin?“ ich grinste leicht, klickte mich mit dem wackeligen Wii-Controler langsam zu der Musikauswahl vor und reichte sie ihr dann. „Hör kurz durch, schau dir Previews an und entscheide selbst.“



* rezipieren = wahrnehmen/konsumieren, hier: Spiel spielen XD


Zuletzt von Casimir am Di Jun 02, 2015 9:11 am bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:05 am

Nun war ich aber doch sehr fasziniert davon, dass er schon wieder eine Zigarette zwischen den Lippen hatte. Wie viel von den Dingern er wohl täglich in sich reinsaugte? Ich beschloss ihn irgendwann einmal zu fragen, aber nicht jetzt. Stattdessen folgte ich gespannt seinen Versuchen, das Wohnzimmer soweit zu verschieben, dass wir dort ungestört rumspringen konnten wie junge Gazellen…. Die gerade das laufen lernten. Wer also absolute Eleganz und Perfektion von mir erwartete, der konnte sich hier gleich sein Grab schaufeln. Ich war schon zu angetrunken um Ehrgeiz oder etwas Ähnliches für dieses Spiel zu entwickeln. Wenn die Tänze dann auch noch mit seltsamen oder gar lächerlichen Bewegungen ausgestattet waren, konnte man mich sowieso vergessen. Wahrscheinlich würde mein Haupttanz dann aus ‚Auf dem Boden rumkugeln und sich dabei gekonnt den Bauch halten‘ bestehen. Beides nicht sonderlich elegant und sicher nicht Bestandteil des Spieles, dann aber leider unausweichlich.

„Du willst also wirklich, dass ich Ballett tanze, kann das sein?“ fragte ich kichernd nach, als er mir die zwei Vorschläge präsentierte. Vielleicht hätte ich lieber die Klappe halten sollen, also was meine damaligen Träume betraf, aber leider wurde ich auf Alkohol immer so gesprächig. Ich nahm schlussendlich die Kontroller entgegen und versuchte dann den Zeiger auf die gewünschte Position zu bekommen. Es war gar nicht so einfach, wenn man mit sowas eigentlich nicht rumhantierte. Ich tat was er sagte, hörte mir die Lieder an und sah in etwa zu was es zu machen galt. Teilweiße musste ich mich schon jetzt zusammenreißen um nicht loszulachen, denn die Figuren machten so unglaublich lustige Bewegungen. Alleine die Vorstellungen es ihnen nachzumachen, oh nein Mädchen bitte brems dein Hirn!

„Ich glaube ja, dass es nichts geben wird, was großartig auf Ballett aufbaut. Es wäre doch etwas zu  viel  verlangt für Leute, die sonst keinen Sport treiben… oder nicht so beweglich sind.“ Murmelte ich schließlich, als ich mir schon die gute Hälfte der Lieder angesehen hatte. Wie aufs Stichwort kam als nächstes Video eine Figur, die doch sehr an eine Tänzerin erinnerte und ich beschloss mir zumindest einmal die Vorschau anzusehen. Zugegeben, ich hatte keine Ahnung von was sie das sang, denn die Sprache war mir überhaupt nicht geläufig. Allerdings gefiel mir der Tanz und auch das Lied hatte etwas, weshalb ich einfach mal auf Okay drückte.

„Oh Mist! Muss ich irgendwas beachten? Einfach das tun, was das Mädel im Fernseher macht oder?“ Fragte ich, weil ich nicht damit gerechnet hatte, dass es gleich losging. Noch bevor er Antworten konnte hörte ich schon die Musik und ich tat einfach das, was ich gerade gesagt hatte. Viel zu gebannt verfolgte ich die Bewegungen der Figur, versuchte mich darauf zu konzentrieren es ihr gleich zu tun, weshalb meine Bewegungen sicher erst furchtbar mechanisch aussahen. Der Tanz wirkte in der Vorschau leichter und bei weitem nicht so schnell, aber die Rückmeldung des Spieles auf meine Bewegungen bekräftigte mich, dass ich zumindest das Prinzip verstanden hatte. „Verdammt, dass ist viel schwerer als es aussieht!“ Hörte ich mich schimpfen, während ich weiterhin damit beschäftigt war dem Spiel ein Lob für meine ach so perfekte Leistung zu entlocken. Zu meinem Glück wiederholte sich ein großer Teil der Bewegungen und ich schaffte es, dass diese wieder natürlicher wirkten und nicht so versteift. Innerlich war ich ziemlich froh, dass ich mich umgezogen hatte, denn sonst müsste ich meine Hände ständig an meinem Kleid haben, damit es nicht hochrutscht. Es wäre schon ziemlich peinlich gewesen, wenn es…. Nicht drüber nachdenken!

Ich bemühte mich um Konzentration, versuchte nicht über meine eigenen Beine zu stolpern und blendete mein Umfeld einfach aus. Wahrscheinlich lachte sich Casimir gerade ins Fäustchen, weil ich mich sicher ziemlich albern anstellte. Aber, was ich leider wirklich zugeben musste, es machte mir irgendwie Spaß. Wie eine Ballerina fühlte ich mich noch immer nicht, aber allein diese Unbeschwertheit beim tanzen jagte mir ein unheimlich beflügelndes Gefühl durch den Körper! Auch hatte ich langsam mitbekommen, dass es scheinbar ein russisches Lied war, was zumindest die Tanzbewegungen und die Melodie im Hintergrund erklären würde. Allerdings zweifelte ich daran, dass die Sängerin wirklich russisch sprach, konnte es aber nicht wirklich bestätigen. Ehrlich gesagt war es mir auch gerade ziemlich egal, denn ich musste mich ja doch eher auf den Tanz selbst konzentrieren und aufpassen, dass ich nicht stürzte. Erst zum Ende hin ließ ich mich dann völlig gehen, tanzte ausgelassen, kicherte und lachte vor mich hin und hatte einfach keine Lust mehr großartig über mein Handeln oder potenzielle Gefahren nachzudenken. Lediglich als es auf die letzten Sekunden zuging, bemühte ich mich um Haltung bei der Abschlusspose, nur um dann wieder in schallendes Gelächter auszubrechen. Es machte wirklich unglaublich viel Vergnügen und war genau die richtige Beschäftigung bei meinem momentanen Zustand! Nicht nüchtern, aber auch nicht zu besoffen. Ich schleppte mich auf das Sofa, warf die Beine über die Lehne und sah dann zu Casimir.

„Siehst du, aus mir wird keine Ballerina! Aber lustig war es trotzdem. Jetzt bist du dran, ich brauch ne Pause.“ Ich schnaufte einmal laut um zu verdeutlichen, dass ich außer Puste war und mindestens eine Runde aussetzen musste. Ich war natürlich schon ziemlich gespannt, welches Lied er nun aussuchen würde und wie er sich dabei anstellte. Sicher eleganter als ich, schließlich hatte er ja schon üben können, aber dennoch war ich Neugierig. Wie eigentlich immer.
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:06 am

Ich war irgendwie minimal froh, den Controller nicht mehr in der Hand haben zu müssen, denn mein dreckiges Hirn hielt die Form momentan für äußerst unangebracht. Dass das Vieh dann manchmal noch vibrierte, kurbelte meine Fantasien nur noch mehr an.
Außerdem war das Ding äußerst beschissen zu kontrollieren auf dem Bildschirm, weswegen ich es ungern benutzte und meine Mutter eigentlich immer die Einstellungen übernehmen ließ, wenn ich mich aus Langeweile oder superhigh ihren Pilates-Stunden anschloss und über den Boden rutschte und mir ihr Gegrummel anhörte.
Dass ich das Vieh nun also an Angie weiterreichen und sie ihr Ding machen lassen konnte, kam mir nur gelegen, denn mit dem Cursor bekam ich eigentlich in Sekundenschnelle einen Ausraster.
Ich atmete einmal tief die mehr oder minder frische Luft des Raumes ein, fragte mich, wieso hier selbst mit offener Verandatür keine Luftzirkulation entstand und nahm als Antwort auf alle lebenswichtigen Fragen erst einmal einen Zug meiner Zigarette. Wenn das in Klausuren nur so einfach wär.

"Vermutlich hast du recht... schade eigentlich. Vielleicht gibts online irgendwelche Erweiterungen, ich schau mir das später mal an, wenn ich Nerven für Kiddi-Argumentationen in den Foren und Shop-Bewertungen habe.", murmelte ich ebenfalls zurück und betrachtete, wie sie, die kleinen Vorschauvideos. Ein Großteil davon war scheußliche Musik unterlegt mit Bewegungen aus Gymnastikkursen von 50 Jährigen. Das Angie da also zwischendrin so eine Perle an etwas lebendigerer Musik fand, war erstaunlich. Mehr als erstaunlich.

Während Angie mir Platz auf dem Sofa machte, indem sie sich in Kampfstellung begab, rutschte ich an der Rückenlehne entlang und machte es mir zufrieden seufzend auf dem Sitzmöbilar gemütlich. War ja auch keiner da, der "Käsefüße vom Polster!" durch die halbe Bude brüllen konnte. Fakka youu, Mum, ich dusche zwei Mal täglich, mindestens.

Ich zuckte kurz mit den Schultern, als Angies Frage ein bisschen spät erklang. Wirklich viel Ahnung von dem Spiel hatte ich auch nicht, einmal hatte ich glaub ich irgend ein Lied mal getanzt und den Ärger meiner Mutter auf mich gezogen... weil ich nicht wirklich getanzt hatte, was angegeben war. Pff, wenn da nichts ordentliches im Sortiment ist, muss man das, was da ist, eben ein bisschen... würzen. Dass ich die Spielmechaniken so nicht wirklich mitbekommen hatte, weil ich zu beschäftigt damit war, mich an 'nem Besenstiel zu reiben, dürfte zu entschuldigen sein. Hausarrest war die Folge. Und auf den hatte ich genauso wie auf jede anderes Strafe ever ziemlich geschissen.

Interessiert betrachtete ich die bunte Figur auf dem Bildschirm, die sich aufführte, wie Spanier beim Bullenkampf. Olé. Mein Blick fiel auf die 2D Männchen, die auf ungenaueste Weise, die für so ein Spiel möglich war, die Tanzbewegungen statisch darstellen sollte. Gute Güte, hätte man das tanzende Mädel nicht, wäre man ehrlich aufgeschmissen.
Auf die Musik hatte ich erst nur bedingt geachtet, doch als der Refrain kam, der sogar ziemlich catchy war, horchte ich auf. Klar, das war definitiv kein Lied aus dem Grundspiel. Das war japanisch. Das hatte Mum wohl für ihre Freundinnen heruntergeladen. Wow, dass sie das hinbekommen hatte, wo sie doch sonst selbst mit meinem Lockenstab Probleme hatte...
Ehe ich mich versah, wackelte mein Kopf beim Refrain im Takt und die Melodie brannte sich in mein Hirn, wie Säure sich in die Haut von Chemikern. Irgendwann blubberte ich das "Balalaika" mit und freute mich über das stetige Hu-Ha der unsichtbaren Männer im Hintergrund.

Aber das Lied passte zu Angie, es war knuffig. Das Image hatte sie jetzt drin und ich glaubte, dass sie das auch so schnell nicht mehr loswerden würde. Und sie stellte sich zudem nicht mal so doof an, selbst wenn man den Alkohol bedachte, den sie schon intus hatte. Wobei ich auch nicht beurteilen konnte, wie viel sie so vertrug, bevor ihr Körper begann sich gegen sie zu wenden.
Genüßlich nuckelte ich an meiner Zigarette und grinste vor mich hin während ich überlegte, wie ich jetzt gegen diese Glanzperformance anstinken könnte. Wahrscheinlich gar nicht. Zumindest nicht mit den Tricks, die ich auf Lager hatte... denn ich hatte ja nun mitbekommen, dass nackte Männer nicht so ihr Ding waren... oder Männer allgemein. Nachdenklich kratze ich mich mit meinem kleinen Finger am Kinn und versuchte, dabei die Zigarette nicht so sehr zu schütteln, dass die Asche überall auf meinem Hemd und dem Sofa landete.
Nach der sexy Abschlusspose hatte ich gerade genug Zeit, meine Beine vom Sofa zu ziehen, um der heranprustenden Angie genug Platz zu machen.

"Awatt, alles eine Frage der Übung!", grinste ich und nickte leicht. Pause klang nett, so wie sie atmete. Ich musste zugeben, es war schon ein nettes Workout und ein Spaßiges dazu. Dagegen war Pilates zum Einschlafen. Wobei... war es sowieso.
Ich schnappte mir den verhassten Wii-Controler und skippte mich in der Auswahl bis zu dem Lied, das Angie gewählt hatte vor und meine Vermutung hatte sich bestätigt, es war eines der gedownloadeten Lieder... und nach diesem folgten noch einige mehr. Meine Mutter musste sie für die Töchter ihrer besten Freundin, ebenfalls einer Japanerin, heruntergeladen haben, denn das waren alles irgendwelche poppigen Lieder, die genauso gut Animeopenings darstellen konnten.
Nach wenigen Augenblicken hatte ich zwei Lieder, zwischen denen ich mich entscheiden musste. Entscheidungen.. Meh!
Ich nahm einen letzten Zug an meiner Zigarette, die im Prinzip eigentlich mehr Joint war als alles andere, und drückte sie der schnaufenden Angie dann in die Hand.... hoffend, dass sie sie nicht vor Schreck fallen ließ. Zwinkerte ihr dann kurz zu und sprang vom Sofa auf. Okay... Entscheidungen... Mädchenmusik oder... Mädchenmusik gesungen von Kerlen...? Über die Frage zuckte ich selbst kurz mit den Schultern und entschied mich für zweiteres. Zumindest ein bisschen Würde behalten und nicht rumhampeln wie Teenage-Mädchen. Dann lieber wie Teenage-Jungs!

Ich wackelte mich also grummeln zum Play-Button vor, pfefferte das Ding dann auf den freien Platz des Sofas und knöpfte mir die obersten drei Knöpfe des Hemdes auf. Zog es dann über den Kopf und stand im Unterhemd da... Naja Unterhemd... Wie nannte man die Dinger? Muskelshirt? Als hätte ich sowas wie Muskeln.. pff.
Aber bevor ich ins Schwitzen kam, wollte ich zumindest ein bisschen weniger anhaben. Angie konnte von Glück sagen, dass mein Hirn noch soweit arbeitete, dass die Hose nicht dran glaubte.... auch wenn es echt schwer war, den Drang zu unterdrücken. Vor allem, weil die Beinarbeit in der Preview nicht ohne war.
Ich schaute kurz an mir runter, seufzte und hörte nach dem Ladebildschirm dann die ersten Klänge. Mhh.. J-Pop. Aber leider waren die Lieder aus dem Shop meist besser als der Mist, den man an die Öffentlichkeit verkaufte.

Während ich größtenteils mit den Beinen arbeitete und nur komische Formen mit den Armen nachmalte, fühlte ich mich einerseits wie Michael Jackson, andererseits, wie in der Waldorfschule bei Eurythmie. Die Choreografie war nicht schlecht, so wars ja nicht... aber ich stand ja doch mehr auf Hüftarbeit. Und noch während ich an Hüftarbeit dachte, musste ich breit grinsen.
Wie in Angies Video gab es hier größtenteils Wiederholungen, damit sich das Hirn des Otto-Normalverbrauchers nicht überanstrengen musste und nach einer holprigen Einstudierzeit von knapp der ersten Minute des Videos hatte ich die Bewegungen dann auch irgendwie drauf und "dancte" mir einen ab. Eine Hüftbewegung gab es... und die fand ich am besten, weswegen ich dort am meisten Elan reinlegte und dabei grinste, wie so ein perverser 15-jähriger, der sich gerade zum ersten Mal die Dr. Sommer Seiten der Bravo reingezogen hatte.
Ich war mir recht sicher, dass die Choreo des Liedes für dieses Spiel stark vereinfacht wurde, denn ich hatte mal ein oder zwei J-Pop Boyband-Videos gesehen und die hatten ordentlich was drauf. Dagegen war das hier Therapie für Leute mit Schlafstörungen...aber für das Publikum des Spiels wohl angemessen genug.
Bei der Endpose musste ich unweigerlich daran denken, wie es wär, wenn ich meinen Fuß noch ein Stück weiterdrehte und hörte im Kopf schon das Knacken...und durfte mir dann vom TV-Bildschirm anhören, dass meine Leistung irgendwo im guten Mittelmaß lag. Fuck you, Technik, ich kann besser tanzen als du!, grummelte ich mental und stellte mir dabei einen Fernseher mit Beinen vor.

"Hu.... fertig. Pause ist mein!", schnaufte ich und ließ mich sogar noch vor dem Sofa nieder, streckte mich auf dem Teppich aus und grinste seelig die Zimmerdecke an.


Zuletzt von Casimir am Di Jun 02, 2015 9:12 am bearbeitet; insgesamt 2-mal bearbeitet
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:06 am

Nachdem ich mich auf das Sofa geworfen hatte, stand Casimir auch schon auf. Mir wurde nicht die Möglichkeit gegeben, es mir irgendwie bequem zu machen, da bekam ich auch schon seine Zigarette in die Hand gedrückt. Zugegeben ich war schon etwas verwundert, sicher hätte es auch der Aschenbecher getan. Jedenfalls schaffte ich es, ihm den Glimmstängel abzunehmen, ohne eine Szene meinerseits. Casimir zippte zeitgleich durch die Auswahl an Liedern, während ich mich den wichtigen Fragen des Lebens widmete. Erwartete er die Zigarette ernsthaft zurück?  

Auch wenn ich körperlich sehr distanziert bei anderen Menschen war, musste das ja nicht heißen, dass ich mir zu fein war eine angefangene Zigarette weiter zu rauchen. Das bisschen Speichel konnte ich schon verkraften! Zudem wäre es doch Schade um den guten Stoff, wenn dieser einfach in meiner Hand verglimmt. Damit war die Entscheidung nicht nur bei mir, sondern scheinbar auch bei Casi gefallen, denn ich hörte die Kontroller neben mir aufschlagen. Was für ein Lied hatte er denn nun gewählt!? Mist, voll nicht mitbekommen. Was mir allerdings auffiel: Er hatte sich auch umgezogen… oder ausgezogen? Ich war ja echt voll abwesend. Okay, jetzt aber!

Ich hörte meinen ‚Verlobten‘ schnaufen, dann setzte er – ähnlich holprig wie ich am Anfang – zu den ersten Schritten an. Ich nahm in der Zeit gemütlich den ersten Zug seiner Zigarette. Der Qualm sickerte in meine Lunge und wie aus Reflex riss ich meine Augen auf. DAS war definitiv kein normaler Tabak! Zum Glück konnte ich im letzten Augenblick vermeiden, dass der Rauch hustend aus meinen Lungen stolperte. Skeptisch blickte ich auf den Kerl vor mir, der sich gerade viel Mühe bei seiner Performance gab. Zum Glück kam diese Pose von gerade eben nicht vor ein paar Sekunden. Dann hätte ich den Rauch definitiv ausgehustet und wäre sicher noch daran erstickt. Hatte dieses Spiel eine FSK-Freigabe? Das war doch definitiv eine… Andeutung an unanständigen Beschäftigungen. Gab es nicht schon genug davon in TV und Zeitung? Ich grummelte leise vor mich hin und nahm noch einen Zug von der ‚Zigarette‘, war gerade leicht genervt davon, dass sich schon wieder Blut in meinem Gesicht sammelte.  Nach ein paar Zügen und etwas mehr Konzentration auf die Performance allgemein, legte sich das zum Glück und ich konnte wieder etwas objektiver an die Sache rangehen. Er machte das nicht schlecht musste man sagen. Zu seinem Glück wiederholten sich viele Abschnitte, so konnte er sich, genau wie ich, langsam daran gewöhnen.

Während er in voller Konzentration dem kleinen Männchen im Fernseher gleichtat, versuchte ich noch immer zu identifizieren, was er sich da lustiges in den Tabak stopfte. Ob das einfach nur Gras war? Nebenbei fragte ich mich auch, woher er das hatte und wie alt er war… aber das andere interessierte mich gerade etwas mehr. Kaum hatte er seinen Part erfüllt und sich auf dem Teppich vor dem Sofa niedergelassen, da schob sich schon mein Kopf in sein Blickfeld. „Bevor du jetzt fragst woher ich das weiß: Man drückt mir keinen Glimmstängel in die Hand in der Hoffnung, dass ich ihn ‚nur halten‘ werde.“ Ich nahm den letzten Zug seiner Zigarette, drückte diese aus, entließ die Luft aus meinen Lungen und bleckte ihm dann frech die Zunge. Ich war gespannt wie er auf meine kleine Provokation - mir viel kein besseres Wort dafür ein im Moment - umgehen würde.

Doch bevor er auch nur Zeit zum reagieren hatte, schlüpften schon die nächsten Worte über meine Lippen. „Jetzt mal Butter ins Aquarium: Hast du ernsthaft Gras in deine Zigaretten gestopft?“ Ich war schon immer eher von der direkten Sorte, wenn es um sowas ging. Zudem hatte ich ja auch ein Anrecht darauf, zu erfahren, was ich mir da gerade in die Lungen gesaugt hatte, oder? „Ich mein… schlimm finde ich das nicht… aber du weißt nie wie andere minderjährige Mädls damit umgehen… oder Kerle.“ Oh Hilfe, ich wurde hier ja minimal zur Moralapostel. Egal was da drin war, es schien definitiv nicht gut für mich zu sein. Seit wann dachte ich mal an eventuelle Konsequenzen…. Ich hab die Zigarette ja auch geraucht, obwohl ich gar nicht wusste was das für n Zeug war. Woher kam jetzt diese Ader?

„Vergiss was ich als letztes gesagt habe, ich brauche mehr Alkohol…. Dat tanzen können wir dann aber echt vergessen. Was hälst du stattdessen davon, wenn du mir n bisschen was über dich erzählst. Ich soll dich irgendwann heiraten und hab nichtmal ne Ahnung wie alt du eigentlich bist.“ Brummelte ich vor mich hin, während ich mich von Sofa aufgeschleppt hatte, um uns beiden einen neuen Drink zu mixen. Als ich fertig war, setzte ich mich etwas lockerer aufs Sofa und wollte ihm gerade sein Glas reichen, da viel mir wieder etwas ein. „Ah, das heißt nicht, dass du die andere Frage nicht mehr beantworten musst!“ Ich wackelte verlockend mit dem Gesöff im Glas, mal sehen ob man ihn mit Alkohol etwas ködern konnte.
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:07 am

Irgendwelche mir unbekannten Muskeln zogen sich in meinem Kreuz ein wenig zusammen, als mein Körper nach einigen Augenblicken registriert hatte, dass wir gelandet waren, und unweigerlich stöhnte ich kurz auf, richtete einen genervten Blick gen Zimmerdecke und durfte plötzlich ein Gesicht entdecken, dass sich zwischen mich und das Ziel meines Blicks geschoben hatte.

Damit auch ja nichts falsch gedeutet wurde, versuchte ich, meinen Blick so schnell es ging zu entknittern und betrachtete Angie fragend, deren Ponysträhnen hinabhingen wie Lianen von Dschungelbäumen. Ich fragte mich am besten gar nicht, wie ich auf solche Vergleiche kam... würde eh nur böse enden.
Leicht nickte ich auf ihre Worte, was im Prinzip nicht einen Ansatz von Sinn ergab und öffnete den Mund. "Ich hab eigentlich sogar damit gerechnet, sie nicht wiederzubekommen, also passts ja!", grinste ich und betrachtete ihre Zunge, die sie mir, nachdem der Pseudo-Joint ausgedrückt war, entgegenstreckte. Irgendwie musste ich ja dem Drang widerstehen, mich aufzurichten und reinzubeißen. Also nicht im Kannibalenstyle, eher... etwas zaghafter. Aber nope. Nope! Hirn, ich sagte Nope!

"Richtig geraten, ein bisschen Wiese im Papier sorgt immer für Frühling im Kopf.", blubberte ich happy, wissend, dass der Satz mindestens genauso wenig Sinn ergab, wie Angies Version von "Butter bei die Fische". "Ich hab jetzt einfach mal angenommen, dass meine Eltern wenigstens noch so viel Anstand haben, ein Mädchen im Alter von über 16 Jahren in mein Leben zu forcieren*, weil das Ganze sonst ehrlich etwas sehr....rechtlich widersetzlich wär.", Ich ließ langsam einen Arm über den Teppich zu meinem Kopf rutschen und kratze mich am Kinn. Ergab das Sinn? Ja, doch, irgendwie.

Wer immer behauptet hatte, dass man nach Alkohol und Drogen vermehrt über den Sinn des Lebens nachdachte, hatte sich mächtig geirrt, denn man dachte eigentlich nur darüber nach, ob das, was man gerade von sich gegeben hatte, Sinn machte. Mehr nicht.

...dass sie das Ding ja nie hätte rauchen müssen, ließ ich ungesagt, denn sie schien selbst auf den Trichter gekommen zu sein, dass das Gespräch eine momentan zu anständige Seite hatte. Ich hievte mich in die Aufrechte und sah Angie hinterher, die körperlich etwas mehr anwesend als ich, den Bartender mimte. Nice, musste ich mich nicht mehr bewegen! Also saß ich brav da und wartete, hörte mir ihren Vorschlag an und nickte eifrig, während mein Blick auf das Glas gerichtet war. Leider aber kam es nicht in unmittelbare Nähe und ich sah nur, wie Angie provozierend damit wackelte. Mhh.... Köder also. Dann würde sie einen überraschenden Fang machen!
Langsam schob ich meine Beine unter den Körper, sodass ich schließlich aufrecht kniete. Dann robbte ich ein paar Schritte auf den Knien zum Sofarand und lehnte mich Angie entgegen, leckte über das Äußere meines Glases, dass unverschämterweise in ihrer Hand ruhte und grinste.

"Meins!" So ging das doch oder? Anlecken oder Anspucken, um es zu reservieren? Ich blinzelte. Ach ja, da war ja was. Ich räkelte mich in aufreizende Position vor ihr auf dem Boden und begann. "Ich bin Casimir, du kannst mich aber auch Diva nennen. Das ist der Name, den ich auf Arbeit trage. Ich bin 17, habe die Schule geschmissen, arbeite in einem Club, bin Exhibitionist und ich glaube, ich leide unter den Anfängen einer Sexsucht. Rawr." Lachend begab ich mich wieder in normale Sitzposition vor ihr. "...und n Showgirl. So wahr das alles ist, was ich sagte, ich bin anständiger... manchmal... als man auf den ersten Blick denken mag. Ich rede gern und viel, aber das heißt nicht, dass ich auch nur Mist mache. Meistens mach ich Mist, aber das reicht völlig. Was möchtest du denn wissen?"



*forcieren = erzwingen, zwingen, durchsetzen...
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:12 am

Ich wartete gespannt auf seine Reaktion, aber diese fiel etwas anders aus, als ich es mir gedacht hatte. Eins musste ich ihm lassen, er schien schnell zu verstehen, dass ich im Prinzip nur Neugierig war. Als kleinen Ausgleich testete er also auch gleich meine Grenzen aus und rückte mir etwas näher auf die Pelle. Dabei behielt er dennoch einen gewissen Abstand, scheinbar hatte mein kleines Geständnis wirklich was gebracht. Ich wusste sowas zu schätzen, denn solches Glück wurde mir nicht oft zu teil. Meistens hielten es die Typen für eine schlechte Ausrede oder gingen mir extra auf die Nerven damit. Dennoch fand er schneller als ich dachte, eine Möglichkeit mich aus der Ruhe zu bringen und das ohne mich direkt anzufassen. Man sollte doch aber meinen, dass diese Geste eigentlich nicht schlimm war. Seine Zunge berührte meine Finger nicht und doch bildete ich mir ein, dass dem so wäre. Beinahe wäre mir das Glas aus meiner Hand geglitten, stattdessen zog ich es nur sehr Ruckartig zurück und schaffte es mir davon etwas auf Hose und Haar zu tropfen. Es war nicht viel und doch ärgerte ich mich sehr über meine überstürzte Handlung.

„Ich… ähm.“ Seine Vorstellung verschlug mir dann auch sogleich die Sprache. Er sprach so offenherzig über sein Leben, was ich eigentlich nicht gewohnt war. Die Leute von der Straße hatten alle ihr eigenes Päckchen zu tragen und wenig Elan darüber zu reden. Natürlich hatte ich dafür Verständnis, aber die Neugierde in mir leider nicht. Es dauerte oft lange, etwas über andere Leute zu erfahren, besonders wenn man es so distanziert tat wie ich. Nana zum Beispiel war ein herzliches Mädchen, dass jedem direkt in den Arm nahm, eine Schulter zum ausheulen hinhielt… Alles was ich eben niemals tun würde, bei einer völlig fremden Person. Sie erfuhr aber sehr schnell etwas über andere Menschen, nicht so wie ich. Casimir war also für mich eine willkommene Abwechslung, was ihn davor bewahrte einen Drink im Gesicht kleben zu haben.

„Gerade eben möchte ich wissen, ob dir bewusst ist, wie viel Arbeit es ist die Haare heute nochmal zu waschen, weil sie jetzt schön mit Cola zugeklebt wurden…“ Ich seufzte, warf ihm ein Kissen entgegen und hoffte einfach, dass er es mitten ins Gesicht bekam. Statt darauf zu achten, versuchte ich nämlich meine Haare mit den Nägelen zu kämmen, doch es war schon zwecklos. Ich unterdrückte ein weiteres Seufzen. „Aber da ich die Frage schon für dich mit ‚Nein‘ beantworten kann, mach ich einfach weiter. Ich habe dein Zungenpircing bemerkt, hat das weh getan?“ Und schon waren meine Haare vergessen und ein anderes Thema an erster Stelle. Er hatte ja echt Glück, dass ich mich so schnell ablenken ließ. Jedoch musste ich einräumen, dass mich Pircings schon immer gereizt hatten. Doch versuch mal einem professionellen Pircer davon zu überzeugen, einer minderjährigen Ausreißerin so einen Stecker durch den Bauch zu jagen… es funktioniert nicht. Ich hatte ihm sogar gedroht, es mir dann einfach selbst zu stechen… doch wurde ich leider davon abgehalten. Irgendwann hatte ich es schließlich vergessen und das Thema kam auch so schnell nicht mehr an die Oberfläche. Jetzt aber, wo ich seinen Zungenstecker gesehen hatte, war ich natürlich hoch interessiert. Er war ja selbst minderjährig, vielleicht hatte er ein paar nette, wahrscheinlich Zwielichtige Kontakte.

„Will so n Ding im Bauch haben… und ja mir is klar, dass ich mich dabei anfassen lassen MUSS!“ Letzteres fügte ich am besten gleich hinzu, denn das war IMMER die erste Reaktion auf diese Aussage gewesen. „Ich werde das schon irgendwie hinkriegen, wenn es soweit ist. Und wenn ich mir davor erstmal richtig die Kante geben müsste…..“ Letzteres murmelte ich eher in mich hinein, so ganz hatte ich mich noch nicht für eine Methode entschieden, aber das würde schon werden. Wenigstens ich war da ganz zuversichtlich….. Becky konnte mich ja auch anfassen ohne das ich wie ein Flummi durch die Gegend sprang… Apropos Becky!

„Hast du eigentlich Geschwister?“ Fragte ich gleich ganz salopp, da mich das natürlich ebenfalls interessieren würde. Nicht das irgendwann ein anderer Typ im Haus stand und ich würde völlig panisch die Polizei rufen und ihn mit Kissen und… Plüschtieren bedrohen. Das wäre doch etwas peinlich.
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BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:14 am

Ich hatte die Zunge kaum wieder eingefahren, da bot sich mir auch schon der Anblick einer Dusche. Nicht unbedingt die Art von Dusche, die mann gerne mal heimlich sah, sondern in voller Bekleidung und mit Cola statt Wasser und Shampoo, aber ich konnte ehrlich sagen, Angie war die erste, der ich beim "duschen" zugesehen hatte.
Und ja, ich wusste, wie eklig Cola, Fanta oder andere Zuckerwasser im Haar waren und wie schwer sie sich entfernen ließen. Laut Simon nutzen Punks wortwörtliches Zuckerwasser, um ihre Iros stehen zu lassen. The more you know.
Ich schaute also einfach nur mit leichtem Grinsen zu, wie sie in ihrem Haar herumwühlte und mir kam irgendwie der Gedanke, dass es aussah, wie so Hamster, wenn sie sich putzten. Alkohol regte wirklich die Fantasie an, stellte sich nur die Frage, ob das nun gut oder schlecht war.
Das Kissen, dass sie mir sehr empört entgegengepfeffert hatte, lag nunmehr in meinem Schoß und wärmte meine...eh...Oberschenkel.

"Der Piercing?" Ich streckte die Zunge raus... mehr um mir den Piercing zu zeigen statt ihr, nur mit dem Problem, dass ich ihn nicht mal zu Gesicht bekam, scheiß Anatomie. Kurz wackelte meine Zungenspitze, ein bisschen wie die von Schlangen beim Züngeln, und verschwand dann wieder, bevor ich mir den Speichel von der Unterlippe wischte. "Pff ne,", winkte ich ab "Ich war viel zu zugedröhnt um noch irgendwas mitzubekommen. Man hätte mir ein Bein amputieren können und ich hätt es nicht gerallt bis zum nächsten Morgen, glaube ich. Aber der nächste Morgen war schon ein kleiner Schock. Schmerztechnisch natürlich auch. Und das Teil dann noch irgendwie vor den Eltern verstecken....hui."

Angie wollte also einen Piercing im...Bauch. Like... Bauchnabel? Oder einfach random verteilte Anker? Gab ja alles mögliche. Aber bei einer Sache hatte sie recht... ohne Anfassen lief da gar nix.
"Ich kenn wen, der kann dir gern mal ein bisschen Metall in den Bauch jagen. Er hat auch eine weibliche Kollegin, falls dir das irgendwie weiterhilft und dich von Fehlern bewahrt, die ich gemacht habe." Ich grinste schief. Man sollte nichts Gefährliches tun, wenn man betrunken war, schon gar nichts, dass Nadeln und Fremdkörper im eigenen Körper bedeutete.

Ich knetete ein wenig geistig abwesend das Kissen auf meinem Schoß und sehnte mir meinen Drink her, doch würd ich davon wohl nicht viel bekommen, denn die Hälfte klebte ja in Angies Haaren..... ob ich einfach den Alkohol raussaugen sollte? Käm vielleicht ein wenig komisch, wenn ich das jetzt gefragt hätte... aber irgendwie fand ich den Gedanken in dem Moment gar nicht so schlecht. Leicht blinzelnd ließ ich mich auf die Seite fallen und grummelte.

"Mhh, neeee. Ich glaub, ich bin genug zu tun für meine Eltern. Es reicht, wenn sie das Leben eines Individuums verkacken. Mein Geschwisterteil würde mir arg leidtun hier." Wie als Ersatz für den fehlenden Bruder klammerte ich mich an das Kissen und stierte die Sofabeine an. Mit so kurzen Stumpen ließ es sich sicherlich nicht gut tanzen.... "Du hast eine Schwester, richtig? Ich nehm an, du vermisst sie. Du kannst sie gern mal hierher einladen. Ich versteck solang auch den Alkohol und die Zigaretten...", murmelte ich und stubste mit dem Zeigefinger die Stummelbeine des Sofas an. Los, bewegt euch! Ich will euch tanzen sehen! Leise kicherte ich.
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Die Villa Bleak
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