StartseiteKalenderFAQSuchenMitgliederNutzergruppenAnmeldenLogin

Teilen | 
 

 Die Villa Bleak

Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach unten 
Gehe zu Seite : Zurück  1, 2, 3
AutorNachricht
Angie

avatar

Anzahl der Beiträge : 32
Anmeldedatum : 01.06.15

BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:15 am

Entzückt vernahm ich seine Worte, nun stand meinem Plan also nichts mehr im Wege. So soll mir gewillt irgendwann Körperverletzung angetan werden, wenn ich mich jemals dazu überreden konnte. Vielleicht würde es mir wirklich etwas leichter fallen, wenn dies eine Frau machen würde, aber ganz sicher war ich mir da auch nicht. Es war ja trotzdem eine andere Person, Körperwäre… Hautkontakt… Bakterienaustausch und stuff. Nicht das ich mich jetzt vor einer Grippeepidemie fürchten würde, aber wenn man es sich mal genau überlegt ist es schon ziemlich ekelhaft, was man alles über Körperkontakt auf eine andere Person übertragen konnte. In Sekunden! …. Wo auch immer der Gedanke nun herkam, er verflüchtigte sich mindestens genauso schnell wieder.

„Ach meine Mutter hätte sich sicher darüber gefreut, wenn ich dies hinter ihrem Rücken gemacht und sie es rausgefunden hätte.“  Ein ironisches Lächeln mit einer leicht gequälten Note legte sich wie eine Maske auf mein Gesicht. Allerdings nur kurz, denn ich verbannte diese Frau direkt wieder aus meinem Kopf. Miese Schlampe! Wie ich überhaupt entstanden war, war mir bis heute ein Rätsel. Wäre ich mein Vater gewesen, ich hätte nicht mal in ihre Windrichtung gekotzt.

Ich wurde abgelenkt durch einen seltsamen Blick seinerseits, der sich scheinbar auf meine besudelten Haare richtete. Leicht verwundert zog ich meine Augenbrauen nach oben, doch mir wurde keine Zeit gelassen, irgendetwas dazu zu sagen. Er hatte also keine Geschwister, war ein Einzelkind und damit lastete natürlich alles auf seinen Schultern… Er musste das Image seiner Familie waren, eventuell eine oder mehrere Firmen übernehmen und was weiß ich noch alles. Ich verstand es schon, dass er auf so etwas keine Lust hatte… Hätte ich wohl auch nicht. Ich hoffte, dass wurde auch nicht erwartet! Ich hatte keinen Plan von Finanzen und war auch Fremdsprachentechnisch eher schlecht als recht bewandert.  Achso und.. ich hatte auch nicht vor das für diese Penner zu ändern! Soll ihre Scheiß Firma doch den Bach runter gehen und alle… Okay, nein ganz ruhig.

„Ja, ich habe eine Schwester. Sie heißt Rebecca und ist für mich wohl der wichtigste Mensch der Welt. Leider werde ich sie wohl nie hier her einladen können…“  Ich kugelte mich im sitzen zusammen und legte mein Kinn auf meinen Knien ab. Meine Arme schlang ich dabei um meine Beine und rieb gedankenverloren über den weichen Stoff der Hose.  „Als ich von daheim fortgelaufen bin, war das völlig überstürzt. Ich hatte fast nichts mitgenommen und so kam es, dass ich irgendwann zurück musste. Ich dachte, dass keiner Zuhause wäre, doch meine Schwester war früher von der Schule gekommen als üblich. Ich wusste nicht, was ich ihr erzählen sollte… stand einfach nur da und sie kam zu mir und umarmte mich. Sie erzählte mir wie stolz sie auf mich wäre, dass ich ein Stipendium für so eine tolle Schule bekommen hätte und auch Mutter mich nur in den höchsten Tönen deshalb lobte. Natürlich war das gelogen… Sie wollte ihr nur nicht sagen, warum ich fortgelaufen war und ich hab das ganze Theater mitgespielt. Wie soll ich ihr also erklären, dass ich nun hier wohne… ich dich irgendwann heiraten soll. Sie weiß, dass ich sehr empfindlich auf das Anfassen reagiere, allerdings weiß sie nicht warum. Ich möchte es ihr auch ehrlich gesagt nicht sagen… Sie macht sich so schnell Sorgen und ich bin doch ihre große Schwester… Ich müsste sie beschützen… ich müsste… sie vor allem bewahren.. doch ich schaffe es einfach nicht. Ich krieg ja nicht mal mein eigenes Leben auf die Reihe, wie also soll ich jemals ein Vorbild sein… Egal was ich zu ihr sage, es fühlt sich alles wie eine Lüge an… Es tut mir… so leid…. So leid……“  Salzige Tränen brannten in meinen Augen und ich spürte sie warm meine Wangen hinunterlaufen. Scheiß Alkohol… scheiß alles. Er hatte mich doch nur nach meiner Schwester gefragt und ich kotze ihm hier mein halbes Leben auf den Tisch. Ich nahm den Ärmel meines Pullovers, wischte mir damit die Augen ab und setzte ein Lächeln auf. Das beherrschte ich zumindest perfekt. „Tut mir leid, da hat sich wohl was aufgestaut. Alles wieder gut.“  Natürlich war dem nicht so, doch hatte er und all die anderen Menschen wohl genug andere Probleme. Diese kamen auch irgendwie damit zu Recht…

„Ha.. Hast du eine Decke hier? Hier ist es etwas kalt.“   Eigentlich war mir gar nicht kalt, lediglich diese ganzen angestauten Emotionen brachten meinen Körper zu erzittern. Eine Decke gab mir das Gefühl der Wärme und somit der Geborgenheit, die sich andere wohl bei Mitmenschen gesucht hätten. Ich hatte diese Ausweichmöglichkeit für mich gefunden und bis heute auch soweit beibehalten.
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Diva

avatar

Anzahl der Beiträge : 34
Anmeldedatum : 01.06.15

BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:15 am

Ich war mir ziemlich sicher, dass wenn meine Gedanken und ich Marathonläufer wären, ich definitiv verlieren würde, denn genauso rannten meine Gedanken gerade wie kreischende Kinder durch meinen Kopf, einer absurder als der nächste. Wenn ich erst bei tanzenden Hamster-Sofas war, so endeten sie mehr und mehr wie Meerschweinchen (wegen der Flusen unten am Sofarand und dem langen Fell der Meerschweinchen), die quiekend durch die Bude pesten, während ein nacktes Ich mit Sabberlatz um und Messer und Gabel in den Händen ihnen hinterhersprintete, um sie zu essen.
Manchmal fragte ich mich wirklich, warum ich Drogen nahm, denn nicht selten waren meine Gedanken dann selbst für mich befremdlich und etwas zu surreal für meinen Geschmack aber ich nehme an, es war die Macht der Gewohnheit. Und der Fakt, dass ich immer Zugriff auf den Mist hatte, mit dem ich mir nachhaltig das Leben ruinierte. Aber man, wenn Spaß macht. Und das machte es! Ich würde wahrscheinlich irgendwann als Drogenleiche in einer Toilettenkabine des Nachtclubs enden. Aber immerhin wär ich eine glückliche Leiche! Nicht die tollsten Gedanken, aber ich sagte ja bereits, sie waren manchmal selbst für mich zu gruselig.

Als ich Bewegung auf dem Sofa hörte, taumelte ich wieder in Sitzposition und betrachtete das ziemlich kleine Angiekügelchen und mir gingen ihre Worte durch den Kopf. Ich war gewillt, sofort nachzuhaken, doch ich wollt Angie nicht unterbrechen, denn sie begann schon, weiterzureden.
Also blieb ich einfach so sitzen, auf meinen Beinen, während meine Füße langsam einschliefen und betrachtete, das Häufen, das langsam zum Elend wurde. Versuchte einfach nur, ihrem Gerede irgendwie zu folgen, soweit es meinem langsamem Hirn, das sich nur allzu leicht von allem und wirklich allem ablenken ließ, möglich war. Jedes Mal, wenn ich irgendwo einen Zusammenhang verstanden hatte, entfloh mir ein leiser, mitleidiger Seufzer. Man, was hatten die mir denn da für ein gebrochenes Etwas angeschleppt?
Ich musste mich auch arg zusammenreißen, der Situation den Ernst entgegenzubringen, der ihr gebührte, was bedeutete, dass ich mir mehrere Male übel auf die Zunge oder Lippe beißen musste, aber ich war schon stolz auf mich selbst, dass mir kein dummer Kommentar herausrutschte. Feingefühl ist gefordert Hirn, keine Lesbenwitze über Internate, bitte!

Mein Geiste schaffte es aber, wahrscheinlich im Angesicht der Tränen, sich irgendwie zusammenzureißen. Casi to the rescue! Oder … Decke to the rescue. Musste nur erstmal eine her...... Warte. Wintergarten! Wolldecken! Es war, als wäre mein Hirn ein Männchen, das mir, dem Hund, irgendwelche Einwortbefehle gab, denen ich brav Folge leistete für ein Leckerlie oder eine Streicheleinheit. Ich stolperte auf die Beine und hechtete die offene Verandatür hinaus, um in der Holzkiste unter dem Fenster nach einer Wolldecke zu kramen. Schon beim Deckelaufrupfen hatte ich einen der an die Kiste gelehnten Klappstühle umgeworfen, der polternd auf die Holzlatten des Wintergartens schepperte, und auch der Deckel landete nicht sanfter, aber immerhin fand ich, was das Männchen von mir verlangt hatte und schlurfte, die Decke unterm Arm, wieder ins Wohnzimmer. Und da Angie anscheinend kalt war, schloss ich auch brav die Verandatür. Wollten ja keine Erkältungen riskieren.
Im Gehen versuchte ich, die gefühlt tausendfach gefaltete Origamidecke irgendwie zu entknoten, breitete beide Arme auf volle Spannweite auf und legte die Decke, mehr schlecht als recht und verdammt schief, Angie über die Schultern. Und eventuell auf ein wenig über den Kopf. Unbeabsichtigt natürlich.
Der nächste Schritt, den mir Herr Hirn diktierte war, ihr ein Kissen in die Hand zu drücken... wobei es mehr dabei endete, dass ich es ihr gegen die Schienbeine legte und mich danach neben ihr auf das Sofa pflanzte.
"Ich möchte, dass du jetzt das tust, was ich sage, ok? Es ist nicht viel und nicht soo schwer. Schwierigkeitsstufe ...sagen wir 2 von 7 oder so. Wer auch immer so bescheuert Schwierigkeitsgrade angibt...ich kenn nur 3 oder 5... naja, machen wir 2 von 5 draus. Also: Ich möchte, dass du deinen Kopf auf meine Schulter legst... da da ja haut is, kannst du wahlweise das Kissen nutzen. Dann will ich, dass du dich in Ruhe und ungeniert ausheulst, und mir zuhörst. Meinst du das kriegst du hin?" Meine Stimme war irgendwie gruselig ernst, wenn ich meinen Zustand bedachte, aber leider wurde das ganze zur ein wenig Geleier zunichte gemacht. Ich klang higher als ich wollte, aber … gut ich rauchte seit dem Zeitpunkt, an dem mir verkündet wurde, dass ich heiraten darf, nicht mehr viel anderes...um mich irgendwie zu beruhigen und abzulenken. Ich seufzte leise, sah zu Angie hinunter und klopfte mir leicht auf die ihr zugewandte Schulter.
"Ich fang einfach schon mal an zu reden, weil ich sonst die Hälfte, von dem, was ich sagen will, vergesse, volle Punktezahl gibt’s aber nur beim Erfüllen aller drei Anforderungen." Ich kratzte mir leicht am Kopf. Ich war so schlecht im Trösten, wenn ich nicht ganz mental auf der Höhe war... "Es gibt für alles eine einfache Lösung. Also mehrere Lösungen für mehrere Punkte." Sehr schön. Mit genau der Floskel konnte ich auch bei AstroTV anfangen. "Es ist nobel, dass du ein Vorbild für deine Schwester sein willst, selbst, wenn du es nicht musst, da es nicht deine Aufgabe ist, sie zu erziehen. Das darf dein... Brutkasten nanntest du sie... übernehmen. Klar haben wir an manchen Beispielen schon gesehen, dass das manchmal so richtig in die Hose geht... Aber rede dir nicht ein, dass Lügen dich zu einem schlechten Vorbild machen. Was du getan hast, mag zwar aus eigener Perspektive scheiße sein, aber es war nicht verkehrt. Ganz einfach, weil deine Schwester, wenn sie schon allein mit deiner Mutter leben muss, kein schlechtes Bild von ihr haben sollte, um das Ganze zu überstehen. Solang sie nicht verstehen kann, was zwischen deiner Mutter und dir vorgefallen ist, ist es das richtigste, was du tun kannst, es vor ihr zu verheimlichen, bis der richtige Zeitpunkt gekommen ist, es ihr zu erklären, wenn sie alt genug ist. Irgendwann, wenn sie das Verhalten ihrer Mutter objektiv betrachten kann, wenn sie kein Kind mehr ist, dass von der Frau abhängig ist. So gesehen... hast du sie bereits beschützt. Vor der ungemütlichen Wahrheit." Vielleicht nicht AstroTV sondern einer der Verlage, die diese Selbstmotivations-CDs verkauften. Ich könnte sicherlich ewig irgendwelche Mantren und selbstbewusstseins-fördernden Texte runterleiern ohne Luft zu holen.

"Es ist eine sehr wichtige Notlüge, die auf dir lastet...aber sei dir bewusst, dass es zu ihrem besten ist und lebe damit. Dann bist du genau das Vorbild, dass du sein willst. Du bist jemand, der sich selbst ein schlechtes Gewissen und Lügen aufhalst, um jemanden, den du liebst, zu beschützen. Und für den zweiten Teil.....lad sie ruhig ein. Ich hol meine nerdigen Freunde und du kannst ihr erzählen, dass wir Klassenkameraden sind, die gerade für eklige Zwischenprüfungen lernen. Ich hab genug wissenschaftliche Lehrbücher hier, um das gesamte Haus zu einer Bibliothek zu machen. Wenn du deine Schwester dadurch wiedersehen kannst, kann ich auch gern mal den widerlichen Streber raushängen lassen..." Hab ich eh ewig nicht gemacht... wenn ich noch kopfrechnen konnte, war das ein Wunder. Meine Predigt endete mit einem leisen Rülps. Besser als Amen! Ich sollte als Pastor in der Kirche anfangen.
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Angie

avatar

Anzahl der Beiträge : 32
Anmeldedatum : 01.06.15

BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:16 am

Ich realisierte nur am Rande, dass er vom Sofa aufstand und zum Wintergarten eilte. Erst die Wolldecke die kurz darauf auf meinen Schultern ruhte, ließ mich aufschrecken. Ich bedankte mich artig und wickelte die Decke um mich. Ich zitterte noch immer leicht, aber davon ließ ich mich nicht stören. Das Kissen, welches ich zuvor nach ihm geworfen hatte, bekam ich auch wieder zurück und umschlag es direkt mit meinen Armen. War ich doch nicht so überzeugend gewesen? Neben mir senkte sich das Sofa und vorsichtig linse ich zu Casimir. Was hatte er denn nun vor? Ich war leicht überrascht von dem ernsten Unterton in seiner Stimme, auch wenn er sich dabei scheinbar echt schwer tat. Wie viele er von den Zigaretten schon geraucht hatte? Ich war unschlüssig, ob ich seinem Befehl folgen sollte. Auch wenn er angeboten hatte, dass ich ein Kissen zwischen uns legen durfte, so war es mir irgendwo doch nicht geheuer, dass ich ihm selbst so nah auf die Pelle rücken sollte. Scheinbar realisierte er mein Zögern, denn er begann einfach schon zu reden. Für ihn schien es wirklich kein Heikles Thema zu sein, doch was er als 2/5 angab, war für mich schon eine 8,5 auf der Richterskala. Nach seiner zweiten Aufforderung zog ich mir schlussendlich die Decke über den Kopf und lehnte mich einfach leicht zur Seite. Meine Schläfe ruhte nun auf seinen Schultern, hing wohl aber doch noch mehr in der Luft, weil ich meinen Körper so anspannte. Wie auch sollte ich mich in dieser Situation entspannen können?

Seine Worte allerdings brachten mich zu nachdenken. Vielleicht hatte er ja auf verquere Weise Recht und ich konnte im Moment gar nichts anderes tun, als meine Schwester anzulügen, um ihr die Kindheit zu lassen. Auch wenn meine Mutter mich gehasst hatte, meine Schwester hatte sie immer geliebt und ihr alles gegeben. Sie konnte eine gute Mutter sein, wenn sie es wollte.. nur bei mir wollte sie einfach nicht. Konnte ich sie so wirklich beschützen? Vielleicht schon… nicht aber, wenn unsere Mutter plötzlich ein neues Opfer brauchte. Ich hatte Angst, dass diese Liebe sich wie bei mir in Hass umwandeln konnte, doch bisher gab es keine Anzeichen dazu. Öfters habe ich bei unserem alten Haus vorbeigesehen, nur um zu beobachten, ob es meiner Schwester gut ging. Sie hatte keine blauen Flecken und war bisher immer gut gelaunt gewesen…. Wie damals eben auch. Unbemerkt hatte sich eine Träne gelöst und sickerte nun in den Stoff von Casimirs Oberteil. Normalerweise hätte ich jetzt schon merken müssen, dass irgendwas seltsam war. Realisieren tat ich dies allerdings erst, nachdem er geendet und einen leicht unpassenden Abschluss losgelassen hatte. Ich schreckte zusammen, war ich doch so gedankenversunken, dass mein Kopf nun wirklich wie selbstverständlich auf seiner Schulter lag. Obwohl eine Decke zwischen uns war, spürte ich doch genau die Wärme, die sein Körper ausstrahlte und hatte den Geruch von Rasierwasser oder seinem Deo in der Nase. Viel. Zu. NAH! Ich richtete mich ruckartig auf, wischte mir erneut die Tränen mit dem Pullover weg  und sah zu ihm auf. „Tut mir leid.“ Murmelte ich leise und drückte das Kissen noch etwas dichter an mich.

Doch anstatt wieder in den Sumpf der Selbstzweifel zu verfallen, begann ich einfach zu lachen. „Danke.“ Auch wenn seine Art etwas seltsam war, so hatte sie mich doch aufgeheitert und mir wieder etwas mehr Zuversicht gegeben. Ich hatte die Chance meine Schwester zu sehen! Irgendwo hörte ich eine vereinzelte Stimme schreien, dass ich ihm nicht sofort glauben sollte… am Ende könnte dies auch gar nicht passieren und ich würde nur schwer enttäuscht werden. Doch der Alkohol war gerade akribisch dabei, diese einzelne Stimme zu ertränken. Um ihn nicht noch weiter mit ernsten Themen zu quälen, versuchte ich das Thema etwas umzulenken, diesmal auf deutlich entspannter Themen. „Nerdige Freunde also? Irgendwie fällte es mir schwer, dass zu glauben.“ Ich kicherte leise. Allein die Vorstellung war einfach zu skuri. „Also nicht, dass du Freunde hast, sondern das sie so nerdig sind wie du behauptest.“ Besserte ich hastig nach, wollte ihn schließlich nicht kränken, nachdem er mich schon mühselig aufgeheitert hatte. „Wobei es sicher auch darauf ankommt, was man als ‚nerdig‘ ansieht… Ich kenne nur die PC-Nerds aus meiner alten Schule. Ein Wunder, dass sie überhaupt noch der normalen Sprache mächtig waren, und sie sich nicht mit Nullen und Einsen oder gar orkisch, gegebenenfalls auf elfisch unterhielten. Aber solche Leute meinst du eher nicht oder?“ Ich war schon etwas Neugierig, wie die Leute so drauf waren, mit denen er sich normalerweise so abgab. In meinen Augen würde er nicht zu einer solchen Clique passen… sondern eher zu den beliebteren Schülern. Man musste ja an der Stelle mal anmerken, dass er jetzt nicht aussah, als wäre er gegen die Wand gelaufen oder etwas ähnliches. Wobei da dann wieder die Frage im Raum stand, ob er auch zu seiner Schulzeit so offenherzig mit seiner Sexuellen Neigung umging. So könnte er dann doch eher bei den.... Sexuelle Neigung? Angie! Ist es jetzt schon soweit, dass du nicht einmal mehr deine Gedanken richtig unter Kontrolle hast? Schäm dich Mädchen, schäm dich!
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Diva

avatar

Anzahl der Beiträge : 34
Anmeldedatum : 01.06.15

BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:17 am

Tjoah. Das war so ziemlich alles an Input, was ich in meinem Zustand noch liefern konnte, außer erotische Tanzbewegungen und Orgasmen vortäuschen aber ich war mir am Rande des Bewusstseins doch noch sicher, dass das gerade nicht der richtige Zeitpunkt für überspitztes Gestöhne war. Und ja... Kerle konnten auch Orgasmen vortäuschen... oder zumindest ich. Es gab da so ein, zwei Tricks. Frauen hatten Jogurt, Männer hatten aus der Pornoindustrie Fake-Sperma. Halleluja, eine wahre Marktlücke.

Leicht zuckte ich zusammen, als Angie von meiner Schulter aufzuschrecken schien. Wirklich viel mitbekommen hatte ich nicht, außer ein wenig Gewicht auf jener... hatte sie es also tatsächlich geschafft. "Gratulation, volle Punktzahl!", grinste ich und beugte mich vor, um unter dem Tisch eine große Taschentuchpackung hervorzukramen. Und damit meinte ich groß. Diese Dinger, die ikonisch heulenden Frauen in billigen Soaps dageboten wurden, wo man nur mal zupfen musste und ein bis drei Blätter gleichzeitig in der Hand hielt. Und genauso stereotypisch hielt ich ihr die Taschentuchbox hin.
Ich war ein wenig zufrieden mit mir und dieses warme Gefühl leichten Stolzes durchzog meine Brust. Yes! Success.

"Jaaaaa... ich glaub mit Computer-Nerds kann ich leider nicht dienen. Es sei denn, du möchtest einen haben, dann such ich natürlich. Wird sicher irgendwo einer im Sonnenlicht geblendet herumirren und seinen Kellereingang suchen." Ich musste ein wenig über die Vorstellung lachen. "Nein, ich kenn ein paar Studenten und einen Anwalt, der verdammt jung aussieht. Die kann ich hier her einladen. Natürlich muss ich ihnen vorher sagen, dass sie gefälligst nüchern und ganzkörperbegleidet sind, aber das sollte kein Problem darstellen. Oder ich hol einfach ein paar Arbeitskollegen, drapier sie im Raum und leg ihnen wissenschaftliche Bücher in die Hand. Das wird schon!" Unweigerlich stellte ich mir vor wie meine ganzen Kollegen aus dem Nachtclub halbtot vor Müdigkeit und Kater im Wohnzimmer auf dem Boden lagen und schlafend auf offene Mathebücher sabberten. Ja, doch. Das sollte recht authentisch widerspiegeln, wie sich Schüler und Studenten während der Prüfungsphasen fühlten.

"Wo wir grad bei Freunden sind. Die kannst du auch getrost hier her einladen. Entweder privat, dann verzieh ich mich für ein paar Stunden und ihr könnt hier machen, was ihr wollt. Oder Party oder... was immer dein kleines Herzchen so begehrt."
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Angie

avatar

Anzahl der Beiträge : 32
Anmeldedatum : 01.06.15

BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:17 am

Leicht überrascht starrte ich auf die große Taschentuchbox, die mir Casimir vor die Nase hielt. Jetzt fehlte nur noch die Familienpackung Schokoladeneiscreme und dann war das Bild einer verzweifelten Teenagerin perfekt. Allerdings erwähnte ich nichts dergleichen, sondern schnappte mir nur artig ein paar Tücher. Okay, im Normalfall war es mir furchtbar unangenehm vor anderen Leuten meine Nase zu putzen - oder Schluckauf zu bekommen - aber in diesem Fall machte ich eine Ausnahme. Blödes Heulen... Blöde Nase....

Ich fand es furchtbar beängstigend, wie schnell er es schaffte mich abzulenken und zum Lachen zu bringen. Ich versuchte verbissen, mir das mit dem Computernerd nicht bildlich vorzustellen, doch meine Gedanken liefen Amok. Wenigstens konnte ich es vermeiden, nochmals loszuheulen, diesmal allerdings vor Lachen. Als ich langsam wieder zu Atem kam, meldete sich wieder diese nervige Stimme der Vernunft bei mir. 'Alles was dein Herz begehrt? Jemand der dich gerade mal seit ein paar Stunden kennt, versucht noch am selben Tag dein ganzes Leben hinzubiegen? Da kann etwas nicht richtig sein.... Du hast schon einmal darauf vertraut und was war das Ende vom Lied? Zwanghaft wurdest du festgehalten und  wärst beinahe Opfer einer Vergewaltigung geworden!' Boah, man jetzt halt doch mal die Waffel, du olle Zicke! Fauchte ich meinen eigenen Gedanken zu, da ich nicht schon wieder in diesen Alles-is-Scheiße-Sumpf zurückwollte. Morgen vielleicht, aber heute bitte nicht mehr.

„Menschen die der Bezeichnung Freunde wohl am nächsten kommen würden, wären die anderen von der Straße.“  Erklärte ich leise und zupfte einen Fussel von der Decke. Er war schwarz und klein… nun heißt er jedenfalls Donny. „Allerdings halten die nichts von Hauspartys, aber das kannst du dir sicher vorstellen. Ich muss sagen, dass es auch für mich sehr schwer ist, ruhig in diesem Haus zu sitzen…. Eingesperrt zu sein ist nach all der Zeit auf der Straße einfach… beklemmend.“  Gestand ich leise. Dann allerdings begann ich zu grinsen. „Wenn du willst kannst du sie mal kennenlernen! Sie sind echt nett und fast jeder hat ähnliche Probleme mit seinen Eltern, also wird dich jeder dort verstehen. Sie….“  Oh… Stimmt ja, ich wusste gar nicht, wo sie im Moment waren. Die Gruppe zog häufig weiter, um der Polizei zu entgehen. Keiner wollte wieder zurück, deshalb nahmen sie lieber ein Leben als Nomaden in Kauf. Nur im Winter wurden sie sesshafter, aber da musste man auch ein warmes Lager errichten, wenn man alle Körperteile mit in den Sommer nehmen wollte.

„Nun… wenn du sie mal kennenlernen möchtest, dann solltest du viel Zeit einplanen. Dadurch, dass ich nicht mehr bei der Gruppe bin, weiß ich auch nicht, wo sie ihr nächstes Lager aufschlagen werden… Telefone oder Internet hat dort natürlich auch keiner…“  Ich seufzte leise und blies damit versehentlich den kleinen Fussel vom Finger. „DONNY!“  Rief ich aus und wäre dem Fussel am liebsten auf den Boden gefolgt. Scheiß Gras! Der letzte Funken stolz in meinem Leib hielt mich allerdings auf dem Sitzpolster und innerlich war ich auch ziemlich froh darüber. „Tut mir leid… Es… Donny… Ein… Fussel. Vergiss es wieder.“  Ich lief leicht beschämt rot an und drehte nervös eine Strähne um meinen Zeigefinger. "Wa... wa.. was schwebt dir denn für heute noch so vor?"  Versuchte ich schnell abzulenken.
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Diva

avatar

Anzahl der Beiträge : 34
Anmeldedatum : 01.06.15

BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:17 am

Mh. Ich musste zugeben, ich verstand sie. Ich fand es auch nicht wirklich zu angenehm, in diesem Haus mehr Zeit zu verbringen, als ich musste. Und die Zeit, die ich denn hier war, versuchte ich, anderweitig erträglich zu machen. Ich hatte meine Methoden und im Rausch war alles besser. Die meiste Zeit hatte ich im Club verbracht, oder bei Jona oder meinen Freunden. Hier war ich zum Schlafen, Duschen, Essen, Trinken, neue Kleidung holen oder Hausarrest absitzen, so wie die letzte Woche. Und trotzdem schlich ich mich immer wieder heimlich hinaus, um atmen zu können.
"Ich hab 'nen Garten, falls sie geschlossene Türen zu sehr stören... der ist groß und offen. Für den Fall, dass doch mal Interesse besteht. Aber natürlich verstehe ich deine Freunde und dich. Ich wär auch lieber unterwegs, als hier eingesperrt."

Dass ihre Freunde alle häusliche Probleme hatten, war mir fast klar. Es gab eigentlich nur zwei, vielleicht drei Gründe, weswegen Leute auf der Straße lebten. Entweder sie wollten nicht nach Hause, oder sie konnten nicht. Sprich: Sie hatten keins. Also verwunderte es mich nicht. War nur die Frage wie viele von denen mich verstehen würden. Ich hatte ein paar Mal schlechte Erfahrung damit gemacht, Leuten wie denen von meinem Privatleben und meinen Problemen zu erzählen. Sie taten mich als reiches Söhnchen ab, das rebellieren wollte, obwohl es alles hatte, was es wollte. Stimmte auch, aber mich fragte niemand, ob ich das wollte, was ich hatte. Ich würde, ohne mit der Wimper zu zucken, all das weggeben und mit einem derer auf der Straße tauschen. Aber wer von denen würde mir das schon glauben?

Ich zuckte leicht mit den Schultern und legte die Taschentuchbox, die ihre Dienste wohl getan hatte, wieder zurück an ihren Platz. "bis auf Arbeit hab ich die nächsten Wochen nicht viel vor, Schnitzeljagd durch die Stadt klingt also nach guter Abwechslung. Ich würde deine Freunde gern kennenlernen."

Ich bis mir fast auf die Zunge, als Angie aufschrie, und starrte sie ein wenig verwirrt an. Donny?! Freund? Familie? Bekannter? Feind? Fussel.... oh ok. Aus meinem verwirrten Blick wurde schnell ein Lachen. Das würde noch lustig werden.
"Ich weiß nicht genau. Ich würde sagen, wir können demnächst die Küche unsicher machen...falls du Hunger hast. Ich bekomme heute Abend noch Besuch, wird wohl etwas später. Wir werden versuchen leise zu sein, falls du früh schlafen möchtest. Sonst... " Ich zuckte erneut mit den Schultern. "Ich weiß nicht. Ich könnte dir das Haus zeigen oder... Film gucken... weiter vorm Fernseher umhertaumeln...Ich hab keine Ahnung. Ich bin ein schlechter Gastgeber." Ich seufzte leicht und im Hintergrund dudelte fröhlich die Menü-Musik dieses dämlichen Tanzspieles vor sich hin. Die war tatsächlich so eintönig, dass ich sie in den letztenpaar Minuten vollkommen ausgeblendet hatte.
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Angie

avatar

Anzahl der Beiträge : 32
Anmeldedatum : 01.06.15

BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:18 am

Ich grinste leicht auf seine Antwort, so würde ich meine Freunde schneller wieder sehen als gedacht! Allerdings wusste ich noch immer nicht, was ich ihnen sagen sollte. 'Hey Leute, sorry das ich plötzlich weg war. Meine Mutter hat mich an ne reiche Familie verkauft und ach hey, hier ist mein Verlobter!' Oh ich konnte die Entführung fast schon riechen. Keiner von denen würde mir glauben, wenn ich sage, dass ich dem freiwillig zugesagt hatte. Naja schlussendlich war es ja auch nicht so, sondern ich wollte nur meine Schwester schützen. Dafür hätte von denen aber sicher keiner Verständnis. Ergo musste ich das ganz anders und viel feinfühliger angehen. Wie lästig.

"Ja, Küche klingt nicht schlecht. Ich habe heute noch fast nichts gegessen, weil meine grinsende Mutter mich verstört hatte..." Wand ich leicht gedankenverloren ein und unterdrückte ein Schaudern. Dieses wölfische Grinsen konnte einem wirklich alles verderben, fast sogar den Alkohol.... Ha, aber auch nur fast! Olle Hexe. Irgendwann würde ich am längeren Hebel sitzen, meine Schwester zu mir holen und dieses Biest irgendwo verrotten lassen! Hu warte, was hatte er gesagt?

"Besuch?" Fragte ich leicht verwundert nach, hatte den Rest gar nicht richtig mitbekommen. Hatte seine Mutter mir nicht aufgetragen jeden Besuch den er hier empfing zu melden? ... Hatte ich nicht gesagt, die kann mich mal? Ach halt nein, dass habe ich mir nur gedacht. Aber da war noch etwas... etwas das damit durchaus zu tun hatte.... Nur was war das? ... Was war das? Die Musik im Hintergrund machte es mir deutlich schwerer, mich auf meine Überlegungen zu konzentrieren. Fast wollte ich schon aufgeben....

Ah! Plötzlich viel es mir wie Schuppen von den Augen, wie hatte ich das nur verdrängen können! "Ähm... hey pass auf normalerweise ist es mir echt unangenehm sowas zu fragen, schieb es am besten auf das Gras oder den Alkohol... Aber sag mal, hast du nen festen Freund?" Wie ich schon angekündigt hatte, war mir die Frage durchaus unangenehmen, aber in diesem Zustand war das Schamgefühl noch erträglich. "Ich mein.. mir ist durchaus klar, dass du aus der Sache nicht rauskommst und wenn es nicht ich bin, dann ist es halt ein anderes Mädchen, dass deine Eltern hier reinstopfen. Aber weißt du, ich glaube wenn ja, dann wäre es sinnvoller, wenn wir uns mal zusammensetzen und gleich mal klarstellen, dass das hier alles nur Schein ist und nichts mit Gefühlen zu tun hat." Das letzte was ich wollte war, dass sich die beiden wegen einer Scheinehe die nur der Imagepflege dient und von den Eltern arrangiert wurde, in die Haare bekamen oder sich womöglich trennten.

Zudem wiederstrebte es mir, seinen Eltern zu berichten, wie oft sich die beiden sahen. Reiche Leute konnten einem das Leben zur Hölle machen... und wenn sein Freund die finanziellen Mittel nicht hatte um sich zu wehren, dann hatten beide ein ernstes Problem. Und ich wollte sicher nicht der Auslöser dafür sein! Vielleicht auch deshalb, weil ich keine Lust hatte mit diesen Menschen in irgendeiner Form zusammen zu arbeiten.. Allerdings musste ich zumindest so tun als ob, ansonsten installierten sie noch überall Kameras! Gosh, mein Leben kam mir vor wie ein schlechter Film und ich war der deprimierte Hauptcharakter. Wo war meine Rettung?
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Diva

avatar

Anzahl der Beiträge : 34
Anmeldedatum : 01.06.15

BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:19 am

Und da mir das Dudeln wirklich zu sehr auf den Sack ging, griff ich mit einem knurrigen Laut nach der Fernbedienung und stellte den Ton des Fernsehers aus. Verdammt, welcher Idiot hatte sich solch nervige Töne ausgedacht und das dann Lied genannt? Bah!
"Und ich würde vorschlagen, falls es zu still wird, wir suchen uns bessere Musik, als dieses widerliche Gedudel, dass sich Startmenü-Musik nennt.."
Ich notierte mir mental, dass ich in den nächsten 5 Minuten daran denken sollte, dass wir was zu Essen machen sollten, wobei ich irgendwie befürchtete, dass es sich in meinem Kopf momentan schnell verflüchtigen würde. Aber nicht, dass wir morgen mit einem üblen Kater durch den Tag mussten.

Als sie "Pass auf" sagte, war ich ganz Ohr. Mal sehen, was jetzt kam. Hatte sie eine Erleuchtung, womit wir heute noch Zeit totschlagen konnten oder so? Nope, weit gefehlt. Naja, ging. Wir konnten Zeit damit totschlagen, in der ich ihr von meinem Sexleben erzählte. Hurray!
ich schmunzelte leicht über den Kommentar, dass ihr diese Frage wohl unangenehm war. Pfft.
"Du kannst mit mir so ziemlich über alles vollkommen offen reden. Das nur am Rande." Ich zwinkerte leicht. "Und nein, ich habe keinen Freund, oder eine feste Beziehung allgemein." Das wäre wohl das letzte, was ich noch in mein jetzt schon chaotisches, verbotenes Leben schleppen würde. Zumal meine Eltern mich dann wahrscheinlich köpfen oder meinen Partner, so wahr er denn männlich wäre, vergraulen würden.
Ich hatte häufiger darüber nachgedacht, aber bisher war glücklicherweise noch niemand aufgetaucht, um mich dazu zu bringen, mein Leben noch komplizierter zu machen und so sehr ich es mir auch irgendwie wünschte - manchmal, wenn ich nachts allein im Bett lag und mich allein fühlte - ich war froh darüber.

"Aber da du es ansprichst... besser jetzt als nie, sollten wir vielleicht einiges klarstellen, bevor es zu irgendwelchen Komplikationen, Eifersucht, Drama oder anderen Querelen kommt. Wir sollten auf der gleichen Wellenlänge sein in diesem Thema: Soll...dies...voll und ganz ohne Gefühle stattfinden? Also ... du weißt schon was für Gefühle, normales Freundsein meine ich damit nicht. Und du kannst es auf Alkohol, Gras oder ganz einfach meine seltsame Persönlichkeit schieben...wenn du es möchtest... falls jemals..." Oh Gott, was war das für faszinierendes Herumgestotter? Komm zum Punkt, Junge! - Ich versuchs ja! "...ehm. Naja, dann ... können wir auch irgendwie versuchen......... das.... beste aus dieser Situation zu machen?"

Mein Gesicht verzog sich zu einer sehr verwirrten Fratze und ich starrte kurz ins Leere. Wat? "Ähem. Ja. Well that was awkward. Aber das wollte ich nur losgeworden sein... Küche?" Ich grinste leicht und versuchte, mit den Worten, die ich grad losgelassen hatte, irgendwie zurechtzukommen. Ich wollte nur sichergehen, dass wir in jeder Hinsicht auf der gleichen Seite waren. Dass wir jede Möglichkeit in Betracht zogen und uns einigen konnten, ob wir jeder unser eigenes Leben lebten und dieser Mist nur zum Schein war oder ob wir meinen Eltern so richtig in den Hintern traten.
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Angie

avatar

Anzahl der Beiträge : 32
Anmeldedatum : 01.06.15

BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:19 am

Ich atmete erleichtert aus, als er mir versicherte, dass er keine Beziehung hatte. Hier würde es also keine Probleme oder Streitigkeiten geben, zumindest vorerst. Ich hatte mir natürlich schon die schlimmsten Szenarien ausgemalt, die nun mit einem lauten Knall zerplatzten. Auf Stress wegen so etwas, hätte ich wirklich keine Lust gehabt. Ich ließ mich zurück ins Sofa sinken, wollte gerade etwas entspannen... aber nein, es wurde mir nicht gegönnt. Ich blinzelte mehrmals, als er die Worte ‚Eifersucht‘ und ‚Drama‘ in den Mund nahm. Wieso sollte es denn dazu kommen? Ah okay…

„Äh…“ Mehr brachte ich gerade einfach nicht über meine Lippen. Ich überdachte seine Worte erneut und kam schließlich zu dem gleichen Ergebnis wie vorhin schon. Aber das ergab einfach keinen Sinn! Er sagte er sei schwul und ich war definitiv ein Mädchen, woran ich auch nichts ändern wollte! Hatte er schon zu viel Gras in seiner Blutbahn… oder zu tief ins Glas geschaut? Auf seine versuchte Ablenkung ließ ich mich nicht ein, eine sofortige Klärung wäre vielleicht wirklich das Beste. Besonders da Alkohol auf fast nüchternem Magen echt super wirkt und mir damit schon viel geholfen wurde. Aber verdammt, was sollte man denn hier im Voraus absprechen?

„Okay… ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie du jetzt auf dieses Thema gekommen bist. Wenn ich mich recht entsinne, hattest du mehrmals verlauten lassen, dass du auf Kerle stehst. Es mag sein, dass ich mit dem Thema nicht viel am Hut habe, aber die Begriffe ‚Schwul‘ und ‚Homosexualität‘ sind mir durchaus geläufig.“ Ich legte eine kurze Pause ein… tja, war doch noch nicht genug Alkohol. Wenigstens konnte ich nicht noch röter werden, dass hatte der Rum für mich schon übernommen. „Desweitern möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich bisher für kein männliches Wesen mehr als freundschaftliche Gefühle empfunden habe. Weil ich immer nur enttäuscht und verletzt wurde und irgendwann die Nase voll davon hatte.“ Der letzte Satz rutschte mir eher unbedacht über die Lippen, wollte ihn eigentlich gar nicht laut aussprechen. Hier kam wohl das kleine trotzige Gör in mir zum Vorschein, was man wunderbar an meiner Stimmlage erkannte. Doch so schnell wie es kam, war es auch wieder verschwunden.

„Allerdings… sind Gefühle widerlich kompliziert, kommen und gehen wie Sonne und Mond.“ Sprach ich nun ruhiger weiter, umschlang erneut meine Knie und legte meinen Kopf darauf ab. Das war in diesem Zusammenhang kein ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ sondern eher ein ‚Woher soll ich wissen, was meine Gefühle für nen Scheiß mit mir abziehen werden?‘. Aber man musste schon zugeben, dass es sehr schwierig war sowas im Voraus zu planen, oder etwa nicht? Keine Ahnung wie andere das regelten, Liebe oder ähnlich zutrauliche Gefühle waren für mich bisher nie Thema meines Lebens gewesen. Warum konnte man sich sicher denken… gut er vielleicht nicht, dazu kannte er mich einfach nicht gut genug. Nur wollte ich ihn damit auch nicht unbedingt belästigen, einmal reicht ja wohl….

Ohne es darauf anzulegen, schoss mir plötzlich eine neue Frage durch den Kopf. Das wurde ja immer schlimmer! Okay, nein… nein… du fragst nicht… nein………. NEIN! „Nur so… aus Neugier. Was ist denn deine Definition von ‚das beste aus der Situation machen‘?“ Hatte ich nicht gerade noch NEIN gekeift, du dummes, neugieriges Ding!? Jaja… aber Neugierde! Gut im nach hinein war mir die Frage schon etwas peinlich, aber meine Natur… und der Rum, waren in Kombination nie besonders nett zu mir. Allerdings konnte ich mir zugutehalten, dass ich überwiegend nur blöde Fragen stellte und nicht gleich alles selbst ausprobierte. Dazu fehlten noch ein paar Gläser…
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Diva

avatar

Anzahl der Beiträge : 34
Anmeldedatum : 01.06.15

BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:20 am

So langsam machte sich in mir doch ein leichtes Hungergefühl breit. Ein halber Zwieback war wohl doch nicht annähernd so sättigend wie ich gehofft hatte. Hätt ich die anderen mal auch gegessen und nicht auf dem Sofa verteilt wie so ein 5 jähriger trotziger Junge, der seine Playstation nicht bekommt ehe er seine Hausaufgaben gemacht hat.
Wobei... ich bekam eigentlich nichts wirklich... tolles und dafür machen musste ich auch nichts. Dann eher wie ein 5 jähriger dessen Eltern ihn einfach grundlos hassen weil er anders ist und sie es nicht akzeptieren wollen. Ja. Das passte.

Ach richtig. Ich hab sie ja mit den Worten "Ich bin schwul... aber möchtest du vielleicht meine Dildo-Sammlung als Entschädigung sehen?" begrüßt. Wie aufmerksam und vorausschauend von mir. So romantisch. Aber gut, das erklärte natürlich, weswegen Angie nun verwirrt war.

"Mh ja, stimmt. Ich bin da manchmal ein wenig voreilig aber größtenteils lag es daran, dass meine Eltern in Hörweite waren, dass ich 'schwul' statt 'bisexuell' sagte. Die sollen nicht noch wissen, dass sie eventuell mit ihrem dämlichen Plan durchkommen... auch wenn ich hier gerade genau das als Verhandlungsmöglichkeit aufgreife. Ich bin definitiv nicht der konsequenteste Mensch in dieser Stadt." Ich räusperte mich und überdachte meine Worte. Jup. Ich bin dumm. Das ist alles, was mir dazu einfiel. Meine Eltern wollten mich entschwulen und ich war dagegen. Und was tat ich? Offenbarte dem nächsten Mädel, dass wirs gern drauf ankommen lassen konnten. Ich bin schon ein wenig bekloppt.

Irgendwie hatte ich das bizarre Bedürfnis, mich zu entschuldigen, dafür dass all meine schwanztragenden Brüder dieser Erde Angie nur enttäuschte und verletzten. Solche Idioten. Mann! "Ach ich sag ja nicht, dass das jetzt auf Deubel komm raus passieren muss. Ich wollte eigentlich lediglich klären, ob es, falls es passiert, eine Option wäre." Alles hypothetisch hier. Ich bin der König der Hypothesen.

"Und ganz nebenbei~ Ich würd mein bestes geben, den gleichen Fehler wie die anderen Idioten nicht zu machen." Ich grinste. Natürlich grinste ich. Weil ich ein selbstsicheres Schwein war. Aber ernst meinte ich es trotzdem.
Mein Grinsen wurde aber auch nur breiter als Angie weiterredete. Was meinte ich wohl~
"Naja, das beste aus der Situation wäre wohl... falls diese widerlich komplizierten Gefühle ihr Ding ohne uns zu Fragen durchziehen... dass wir eben...eh... das beste draus machen, wo wir eh schon in einem Haus leben. ......Ich bin heute wirklich nicht eloquent genug für diese hochstechenden Diskussionen. ...... Ach ja... und wenn das mit den Gefühlen nich so nervig sein sollte wäre 'das beste aus der Situation machen' eher auf Party 24/7 und meine Eltern verarschen beschränkt. Ich hab jetzt schon die besten Ideen dafür. Aber Nahrung. Jetzt." Das war das Stichwort. Mein Magen gab ein sehr schüchternes, zögerliches Knurren von sich. Abwartend blickte ich auf das Angieknäuel.
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Angie

avatar

Anzahl der Beiträge : 32
Anmeldedatum : 01.06.15

BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   Di Jun 02, 2015 9:20 am

Er war also ein Menschenfreund und für jedes Geschlecht offen. Na super. Noch etwas, dass ich wissen sollte? Ich unterdrückte ein leises Seufzen. Naja, zuerst müsste man ein kleines Problem lösen, dass sich ‚Nähe zulassen‘ nennt. Das hatten schon andere versucht und sind kläglich daran gescheitert. Irgendwann hatten sie die Geduld verloren, überstürzt gehandelt und durften dann wieder bei 0 anfangen… oder gar nicht. Ich war nicht einfach, aber daraus machte ich auch kein Geheimnis. Warum einige meinten, sie müssten sich das Privileg verdienen, mich anfassen zu dürfen verstand ich bis heute nicht. Die hatten eigentlich alle nen Dachschaden in meinen Augen. Egal, zurück zum Thema. Wenn ich die ganzen Schnulzen im TV richtig gedeutet hatte, dann baute eine Beziehung auf Nähe, Vertrauen und Ehrlichkeit auf. Irgendwie fehlte uns da… viel. Also eigentlich kein Grund, sich irgendwie Sorgen zu machen. „Na, mal sehen.“  Erwiderte ich lediglich und entknotete mich um aufzustehen. Hmh, für diese drei Worte hatte ich aber ganz schon lange nachdenken müssen. Mein Diskussion Potenzial war also ebenfalls im Eimer, na läuft doch. Ich hatte eh keine Lust zu erörtern, welche Fehler passiert sind und warum ich so verkorkst war. Teilweise konnte ich es ja nicht einmal mir selbst verständlich machen. Sollte ich vielleicht wenigstens erwähnen, dass nicht ausschließlich nur Kerle Fehler gemacht hatten? ... Nee, würde er sich sicher denken können.

Um weiteres Magenknurren vorzubeugen, schlenderte ich zusammen mit Casi in die Küche. Irgendwie hatte ich den stillen Verdacht, dass der Herr nicht kochen konnte, sicher war ich mir aber nicht. Ich würde ihn bei Gelegenheit mal Fragen, momentan interessierte mich allerdings etwas anderes. Geduld Mädchen, erst einmal für Happa sorgen. Da ich nun ja auch hier lebte, tat ich mir keine falsche Scheu an und öffnete einfach den Kühlschrank. Oha, großes Angebot… nicht. „Ich glaube den Zettel sollten wir bei Gelegenheit noch erweitern.“  Damit flog die Tür zum Kühlschrank wieder zu und ich öffnete die Gefriertruhe darunter. Na immerhin Pizza war zu finden. Das bestärkte meine Vermutung, er konnte wahrscheinlich wirklich nicht kochen. „Ich hoffe Pizza ist okay, aber groß Auswahl haben wir nicht. Tu mir mal den Gefallen und hol zwei Bleche mit Backpapier.“   War schließlich nicht meine Küche und alles durchsuchen wollte ich nun auch nicht. Der Kühlschrank war wenigstens schön offensichtlich, Bleche brachte man hingegen überall unter.

Als das Essen im Ofen war, setzte ich mich auf eine der Theken. Diese Angewohnheit hatte ich mir schon Zuhause angeeignet, vielleicht um etwas größer zu wirken? Keine Ahnung, sinnlos rumstehen wollte ich die 20 Minuten aber auch nicht. „Also, dann erzähl mal von deinen Plänen bezüglich  deiner Eltern.“  Nun war ich wirklich gespannt, denn es wäre eine Genugtuung für mich, diesen Menschen richtig auf den Zeiger zu gehen. Alleine weil sie gemein sind und uns in diesen blöde Haus einsperren. Wer kommt nur auf so eine dämliche Idee? Klar, der Schuppen war schick, aber trotzdem ein Gefängnis. Jetzt fehlten eigentlich nur noch die Überwachungskameras, dann würde ich aber randalieren! „Ich bin da leider sehr unkreativ, aber umso leichter dafür zu begeistern. Besonders wenn die betreffenden Personen es verdient haben. Oh und das haben sie in meinen Augen.“  Innerlich freute ich mich schon diebisch darauf, hoffentlich hatte er nicht zu viel Versprochen. Sie werden den Tag noch bereuen, an dem sie mir die Haustür geöffnet haben! BEREUEN! Genauso wie meine dämliche Mutter, irgendwann, aber alles zu seiner Zeit.
Nach oben Nach unten
Benutzerprofil anzeigen
Gesponserte Inhalte




BeitragThema: Re: Die Villa Bleak   

Nach oben Nach unten
 
Die Villa Bleak
Vorheriges Thema anzeigen Nächstes Thema anzeigen Nach oben 
Seite 3 von 3Gehe zu Seite : Zurück  1, 2, 3
 Ähnliche Themen
-
» Villa
» Villa Mysteria: Buu Huu Jagd
» Villa Kunterbunt ❧
» Komische Hexe...
» Beste Villa

Befugnisse in diesem ForumSie können in diesem Forum nicht antworten
 :: Posting Areas-
Gehe zu: